Bezirksregierung Arnsberg

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"Vielfalt gestalten - Integration im Kindergarten"

Bild: Drei Kindergartenkinder

Vielfalt gestalten in Bonner Kitas

Über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren unterstützt und begleitet „Vielfalt gestalten“ unter Federführung des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften drei Bonner Kindertageseinrichtungen, die Kita „Unterm Regenbogen“ - Bonner Nordstadt,  „Lummerland“ - Bonn-Tannenbusch und die Kita „Rasselbande“ - Bonn-Kessenich, mit einem hohen Migrantenanteil intensiv in ihrem Prozess der konzeptionellen Verankerung interkultureller und vorurteilsbewusster Arbeit. Ziel ist die Schaffung eines nachhaltigen interkulturellen Gesamtkonzepts für die jeweilige Einrichtung. 

Die ersten Schritte beschreibt Mechthild Kleine-Salgar, Trainerin, so: „Im Mittelpunkt steht dabei die eigene Einrichtung und die Reflexion der individuellen Praxissituation. Wie arbeiten wir bisher? Was klappt gut, und was möchten wir verändern? Wo stoßen wir an unsere Grenzen? Wie können wir die Zusammenarbeit mit den Eltern verbessern? Wie gehen wir mit interreligiösen Fragen um? Und wie mit den Sprachproble­men?“

Die Trainerinnen von „Vielfalt gestalten“ arbeiten nach dem „Anti-Bias-Ansatz“ (wörtlich übersetzt: Anti-Voreingenommenheits-Ansatz). Ziel der Arbeit in den Kitas ist es, Prinzipien vorurteilsbewussten Lernens in der pä­dagogischen Arbeit zu etablieren und dabei pädagogische Fachkräfte, Kinder und ihre Fami­lien einzubeziehen.

Trotz formeller Gleichberechtigung und Chancengleichheit erlebt man alltäglich ungleiche und auch ungerechte Behandlungen, sei es aufgrund der Herkunft, der Hautfarbe, des Geschlechts, des Alters, der Religionszugehörigkeit, körperlicher Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen, der sozio-ökonomischen Möglichkeiten etc.

Der erste Schritt für den Umgang mit Benachteiligung besteht darin, Voreingenommenheiten und Einseitigkeiten bei sich selbst, als auch in den Strukturen der Kita zu erkennen und anzusprechen. Kinder sollen darin gestärkt werden, Ungerechtigkeiten und unfaires Verhalten zu thematisieren. Wichtig ist dabei, dass die Kinder Vielfalt erleben dürfen, dass sie wahrgenommen und als etwas Normales anerkannt wird. Kinder, die diskriminiert werden, sollen gestärkt werden, aber auch die, die diskriminieren, können lernen, dass sie ihre Stärken nicht aus der Abwertung anderer beziehen.

Die erste Fortbildungsreihe: Familienkulturen in die Kitas

Zurzeit durchlaufen die Kitateams die erste Entwicklungswerkstatt - Thema: Familienkulturen sichtbar machen.

Ziel der ersten Fortbildungsreihe ist es, deutlich zu machen, dass nicht nur die Kinder, sondern auch die Familien in der Einrichtung willkommen sind. Die Familie ist die wichtigste Bezugsgruppe des Kindes, mit der es sich identifiziert. Daher sollen die Kinder die Möglichkeit haben, ihre Familien zu zeigen, darzustellen und stolz auf sie zu sein. Sie lernen, dass es viele Varianten und Familienkonstellationen gibt, erleben, dass diese gleichwertig sind und es keine „besseren“ oder „schlechteren“ Familien, sondern nur verschiedene Familien gibt.

„Wie können die vielfältigen Familienkulturen der Kinder in der Einrichtung sichtbar werden?“, fragten sich die Kita-Teams in der letzten Fortbildung und entwickelten gemeinsam Ideen:

Mehrere Gruppen haben damit begonnen, Wände mit Familienbildern zu gestalten. Die ErzieherInnen einer anderen Kindergruppe möchten mit jedem Kind ein Familienbuch anlegen. Dabei sind sie und die Kinder natürlich auf die Mitarbeit der Mütter und Väter angewiesen. Die machen sich Zuhause auf die Suche nach schönen Fotos, kleinen Geschichten, Erinnerungsstücken, Gemaltem und Gebasteltem. Das gemeinsame Anliegen der Eltern und ErzieherInnen Anknüpfungspunkte für Gespräche über Unterschiede zu bieten, zeigt erste positive Wirkungen: Kinder und Eltern kommen über die Familienwände ins Gespräch. 

Eine der Kitas plant zudem, ihr Sommerfest unter dem Motto „Familien in Bewegung“ zum Auftakt eines längeren Familienprojekts zu nutzen. In unterschiedlichen Spielstationen soll jede Familie die Gelegenheit haben, Aufgaben zu lösen und sich sportlich zu betätigen.

Bei den nächsten Entwicklungswerkstätten stehen die Themen Sprache im Hinblick auf Mehrsprachigkeit und Sprachförderung, Religionen und der Umgang mit religiöser Vielfalt sowie die Schaffung einer interkulturell geeigneten Umgebung für die pädagogische Arbeit (Kriterien der Auswahl von Büchern, Materialien, räumlicher Gestaltung) auf dem Programm.

Vielfalt gestalten bietet darüber hinaus ErzieherInnen und Eltern aus Bonn und Umgebung die Möglichkeit, sich zu interkulturellen Fragen beraten zu lassen. Dafür wurde eine Kindergarten-Infohotline eingerichtet. „Themen sind meist das deutsche Bil­dungssystem, Mehrsprachigkeit, interreligiöses Zusammenleben, Elternarbeit/Elternbildung, Diskriminierung und Rassismus“, erklären die Projekt-MitarbeiterInnen.

Vielfalt gestalten für NRW

Für das Infoportal „Vielfalt gestalten für NRW“ recherchiert das Team aktuelle Nachrichten aus NRW, gibt Literatur- und Veranstaltungshinweise, informiert über Bildungs­politik im Elementar- und Primarbereich und fördert den Erfahrungsaustausch. Eine täglich aktualisierte Presseschau zum Thema „Kindergarten interkulturell“ ist ebenfalls auf der Projekt-Homepage zu finden.

Alle drei Monate erscheint der Newsletter "Kindergarten für alle", der in Nordrhein-Westfalen an Kindergärten, ErzieherInnenfachschulen, Integrationsbeauftragte, Jugendämter, Ministerien und viele andere wichtige Akteure verschickt wird. Er bietet interessante Themenschwerpunkte und einen niedrigschwelligen Einstieg in inter­kulturelle Fragestellungen.

Eine Soziologin, eine Pädagogin, eine Journalistin und eine Islamwissenschaftlerin bilden das Redaktionsteam von „Kindergarten für alle“.

Das Projekt wird gefördert von der Aktion Mensch, der Rheinenergie Stiftung Familie und der Stiftung Jugendhilfe der Sparkasse Bonn. Minister Armin Laschet ist der Schirmherr.

Weitere Informationen zum Projekt

Newsletter "Kindergarten für alle" (PDF-Datei, 1,81 MB, nicht barrierefrei)