KOMM-IN stellt vor: Hochsauerlandkreis
"Zusammenwachsen im Hochsauerlandkreis" – wie die gemeinsame Gestaltung von Integrationskonferenzen und –konzepten die partizipative Ausrichtung der kreisweiten Integrationsarbeit sichert!
- Ein kritischer Blick in den Spiegel…
- … setzt Gestaltungskräfte frei.
- Betroffene werden zu Beteiligten
- Konzeptionelle Mitarbeit als Schlüssel gemeinsamer Gestaltung
- Von der Konferenz zum Konzept: Konkretisierung und Verstetigung der Planungsarbeit
- Vom Konzept zum Handeln: die schnelle Ausarbeitung von Pilotprojekten
- Kreativer Kreislauf: weitere Integrationskonferenzen als Forum zur Vorstellung der Arbeitsergebnisse und Initiierung der nächsten Schritte
- Kontakt
Ein kritischer Blick in den Spiegel…
Dass bei der Integration von Zuwanderern noch längst nicht systematisch genug vorgegangen wurde und entsprechende Defizite zu beklagen waren, erkannten die Verantwortlichen des Kreistages im flächengrößten Kreis Nordrhein-Westfalens spätestens beim Blick in die vom „Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung“ zum Milleniumbeginn herausgegebene Studie „Deutschland 2020“, einer Untersuchung zur „demografischen Zukunft der Nation“, die alle 440 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands berücksichtigte und für die Beurteilung der Ausländerintegration auf der Basis von statistischem Material aus dem Jahre 2001 Bildungschancen und Arbeitslosigkeit unter Ausländern eruierte.
Für beide Bereiche wurde beim Hochsauerlandkreis damals Nachholbedarf konstatiert.
… setzt Gestaltungskräfte frei.
Der Kreistag stellte sich schnell der Problemlage, die durch den allgemeinen Rückgang der Bevölkerungszahlen und die damit
einhergehende Überalterung noch verschärft wurde. Er erteilte der Verwaltung den Auftrag, Konzepte zur Herbeiführung eines integrationsfreundlicheren Klimas im Hochsauerland zu entwickeln. Dabei sollten auch das am 2. September 2005 verabschiedete „Wirtschaftspolitische Programm“ und die angeschobene „Bildungsoffensive im Hochsauerlandkreis“ Berücksichtigung finden.
Mit der im zweiten Halbjahr 2005 im Rahmen der KOMM-IN-Förderung begonnenen „Initiative für Integration“ begann dann gleichsam eine neue „Zeitrechnung“ im kreisweiten Integrationsgeschehen. So konnten im ersten Förderjahr eine umfassende Bestandsanalyse zur Situation der Zuwanderer und ein entsprechender Integrationsbericht realisiert werden. Die Bestandsaufnahme aller Integrationsangebote öffentlicher wie privater Träger wurde im internetgestützten Info-Portal „Wegweiser für Zuwanderer“ zugänglich gemacht. Auch ein Konzept zur Sprachförderung und entsprechende Netzwerkstrukturen waren Bestandteil dieses ersten Förderabschnittes.
Betroffene werden zu Beteiligten
Während der Umsetzung der Anschlussförderung im zweiten Halbjahr 2006, bei der es besonders um die Vernetzung und Steuerung von Angebotsstrukturen in den Bereichen Ausbildung, Arbeitsmarkt und Existenzgründung ging, erkannten die Akteure die Notwendigkeit einer verstärkten Zielgruppenorientierung, konkret: einer wirklichen Beteiligung der betroffenen Menschen an der weiteren Gestaltung der Integrationsaktivitäten im Kreis. In der Folge wurden Kontakte zu 46 eingetragenen ausländischen Vereinen im Kreis hergestellt.
Konzeptionelle Mitarbeit als Schlüssel gemeinsamer Gestaltung
Einen ersten Höhepunkt der bisherigen Projektarbeit und gleichzeitig einen Prüfstein für die planende Zusammenarbeit
deutschstämmiger und zugewanderter Akteure markierte die am 27.Januar 2007 durchgeführte erste Integrationskonferenz des Hochsauerlandkreises. Unter Teilnahme von mehr als 100 Vertretern aus der Gruppe zugewanderter Menschen wurde zunächst eine Beurteilung der bisherigen integrativen Tätigkeiten versucht. Unter den Fragestellungen „Was läuft gut?“ und „Was muss verbessert werden?“ stellte man Resümees aus deutschstämmiger sowie aus Zuwanderer-Perspektive gegenüber. Dabei offenbarten sich unter anderem interessante Wahrnehmungsdifferenzen insbesondere bei religiösen Fragen: Während deutschstämmige Akteure Glaubensfragen keinen entscheidenden Stellenwert hinsichtlich gesellschaftlicher und integrationspolitischer Prozesse beimaßen, wurde der Islam als Gesetzesreligion von der Zuwanderergruppe als lebensbestimmendes und damit auch im Integrationsprozess wichtiges Moment identifiziert.
In einem zweiten Arbeitsschritt wurden zentrale Themenbereiche benannt, in denen Arbeitsgruppen mit Teilnehmern gemischter Herkunft in Form von herausgearbeiteten Handlungsfeldern die planerischen Grundlagen für ein umfassendes Integrationskonzept entwickelten. In den drei Themenbereichen „Sprachförderung und Bildung“, „Arbeitsmarkt“ sowie „Sport, Freizeit und Kultur“ wurden unter Verwendung eines Koordinatenkreuzes, das zwischen hohen und weniger hohen Prioritäten sowie kurz- und langfristiger Umsetzbarkeit differenzierte, die jeweiligen Handlungsfelder für die weitere Arbeit fixiert.
Von der Konferenz zum Konzept: Konkretisierung und Verstetigung der Planungsarbeit
Die zusammengefundenen Arbeitskreise blieben Fundament der sich anschließenden konzeptionellen Arbeit. Der betreffende Themenbereich wurde dabei noch einmal in jeweils drei weitere Arbeitsgruppen mit eigenen Unterthemen ausdifferenziert. Der Arbeitskreis „Sprachförderung und Bildung“ zum Beispiel wies nun die je einer entsprechenden Untergruppe zugeordneten Aspekt „Sprachförderung in KiTas und Kindergarten“, „Schule und Umfeld der Schule“ sowie „Erwachsenenbildung und Schule“ auf. Eine für die Gruppenarbeit benutzte „Arbeitstabelle“ wurde durch Ausformulierung von Zielen und Zielgruppen erweitert, dann in großer Runde mit sämtlichen Mitgliedern des Arbeitskreises konkrete Maßnahmenvorschläge festgehalten. Für das Themenfeld „Sprachförderung und Bildung“ etwa ergaben sich eine Vielzahl von Umsetzungsmaßnahmen. Sie reichten von der Suche nach Multiplikatoren zur Vermittlung deutscher Sprache in Zuwanderervereinen über verschiedene Unterstützungsmaßnahmen zugewanderter Eltern bei der kindlichen Sprachförderung und solche der Zusammenarbeit mit Schulen und Lehrern, über Patenschaftsmodelle bis zu passgenauen Maßnahmen der Erwachsenenbildung. Ebenso gewissenhafte Ausdifferenzierung wurde auch den anderen Themenfeldern zuteil mit dem Ziel, auf der anstehenden zweiten Integrationskonferenz ein umfassendes Konzept präsentieren zu können.
Vom Konzept zum Handeln: die schnelle Ausarbeitung von Pilotprojekten
Um den Schwung der gemeinsamen Arbeit nicht zu verlieren, machten die Autoren bereits während der Konzepterstellung Vorschläge für Pilotprojekte im Sinne eines „Aktionsplans“. Dies waren im Themenfeld „Sprache und Bildung“ eine Kampagne zur Bekanntmachung von Sprachförder- und Hausaufgabenhilfsangeboten im Kreis, Projekte zur Elterngewinnung für die Arbeit an Kindergärten und Schulen oder der Plan zur Einrichtung niedrigschwelliger Frauenkurse. Der Arbeitskreis „Arbeitsmarkt und Beschäftigung“ empfahl die Einrichtung eines ehrenamtlich agierenden Pools zugewanderter Menschen, die eine berufliche Vorbildfunktion für junge Zuwanderer einnehmen und deren frühzeitige Berufsorientierung befördern können. Ebenfalls auf der Vorschlagsliste waren konkrete Projekte zur zielgruppenspezifischen Vermittlung des Wertes von Arbeit und Ausbildung und ein berufssensibilisierendes Projekt für Schüler des Berufskollegs. Auch der Arbeitskreis „Sport, Freizeit und Kultur“ destillierte bereits während der konzeptionellen Arbeit bspw. Ideen. zur Entwicklung und Vermarktung eines gemeinsamen Sportangebots der Vereine mit Blick auf Zugewanderte oder eine Veranstaltungsreihe zum „religiösen Dialog“.
Kreativer Kreislauf: weitere Integrationskonferenzen als Forum zur Vorstellung der Arbeitsergebnisse und Initiierung der nächsten Schritte
Gut ein Jahr nach Durchführung der ersten Integrationskonferenz wurden auf einer zweiten Veranstaltung am 19.Januar 2008 die zwischenzeitlich erzielten Ergebnisse in der konzeptionellen und praktischen Integrationsarbeit des Hochsauerlandkreises öffentlich gemacht. Neben der Vorstellung des Integrationskonzeptes bedeutete das die Präsentation mittlerweile .bereits angeschobener Projekte des „Aktionsplans“. Es waren dies das „Vorbildprojekt“, das Projekt „Zusammenwachsen durch Sport“ zur Unterstützung der integrativen Arbeit der Sportvereine, das Projekt zu niedrigschwelligen Frauensprachkursen und eine Veranstaltung zum Fastenbrechen im Rahmen des „interreligiösen Dialogs“.
Die die Arbeitsresultate würdigende, aber auch konstruktiv-kritisch beurteilende Rückmeldung von Seiten der Akteure wie auch der interessierten Öffentlichkeit bedeutete für die Arbeitskreise weitere Anregung und Motivation. Sie begannen auch bereits in der Veranstaltung mit der Ausarbeitung der nächsten Umsetzungsschritte.
So wurde auch das folgende KOMM-IN-geförderte Vorhaben des Jahres 2008 mit dem Titel „Bildungsoffensive für Migranten – Elternetzwerk HSK“, das als wesentliche Ziele die Gewinnung von Eltern mit Zuwanderungsvita für Elternarbeit an Kindergärten
und Schulen, die bessere Vernetzung von Eltern, Erziehern und Lehrkräften und den Aufbau eines Elternetzwerkes des Hochsauerlandkreises aufweist, sowohl durch die Arbeit am Integrationskonzept als auch durch während der zweiten Konferenz gegebene Anregungen im Kreis „Sprachförderung und Bildung“ vorbereitet.
Dass die Umsetzung der im Integrationskonzept geplanten Maßnahmen insgesamt weiterhin Fahrt aufnahm, bestätigte eindrucksvoll die dritte Integrationskonferenz im Kreishaus in Meschede am 25.04.2009. Hier konnte bereits ein ganzer Katalog neu realisierter oder weiter ausgebauter Projekte und Aktionen vorgestellt werden: Diese reichten von einer mittlerweile umfassenden Öffentlichkeitsarbeit mit weit über hundert Presseveröffentlichungen, einer ausgearbeiteten Internetpräsenz und Veröffentlichungen in verschiedenen Fachzeitschriften, über ein gut geknüpftes und flächendeckendes Netz von Integrations- und vorbereitenden Frauenförderkursen, Angebote der Berufsbildungsakademie der VHS im Hochsauerlandkreis insbesondere im Bereich schul- und berufsbegleitender Sprachförderung, eine Vielzahl von Maßnahmen des in Projektpartnerschaft mit dem Kreis agierenden Kreissportbund unter dem Titel „Integration durch Sport“, und über das unter dem Namen „Schultandem“ konsolidierte Vorbildprojekt bis zum weiter ausgestalteten Handlungsfeld „Interreligiöser und interkultureller Dialog“. Die Vorschau auf die Planungen des kommenden Jahres ließ derweil erkennen, dass es in ähnlichem Tempo weitergehen sollte.
Das Wechselspiel von konzeptionell-praktischer Arbeit und öffentlicher Präsentation und Rückmeldung in den Konferenzen hält also die Arbeitsprozesse und damit gleichzeitig einen „kreativen Kreislauf“ in Gang.
Ansprechpartnerin:
Frau Hohmann
Tel.: 0291/ 941346
Fax: 0291/ 9426184
E-Mail: ulrike.hohman@hochsauerlandkreis.de
Internet: www.integration-hsk.de
