Bezirksregierung Arnsberg

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KOMM-IN stellt vor: Märkischer Kreis

Von der „Schulfähigkeit der Kinder“ und der „Kindfähigkeit der Schulen“:

In seinem Projekt „Vorschulische Sprachförderung als Baustein kommunaler Bildungsnetzwerke“ setzt der Märkische Kreis auf integrative Konzepte zur Gestaltung des Übergangs von den Kindertageseinrichtungen zur Grundschule und auf die Mitarbeit zugewanderter Eltern.


Ideale und Realitäten

Angesichts eines mit über 28% auffallend hohen Anteils zugewanderter Menschen im Märkischen Kreis war die gleichberechtigte Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer Zuwanderungsbiographie bereits seit einiger Zeit als wichtige Zielsetzung der märkischen Kreisverwaltung festgeschrieben worden. Dem standen jedoch ernüchternde Fakten gegenüber: Laut der Schulstatistik des Landes Nordrhein-Westfalen erlangten im Schuljahr 2006/2007 17,6% der ausländischen Schülerinnen und Schüler keinen Hauptschulabschluss, lediglich 8,7% beendeten ihre Schullaufbahn mit der allgemeinen Hochschulreife. Zudem wurde im Jahr 2008 für 28,8% der Vierjährigen ein Sprachförderbedarf konstatiert, wobei 90% dieser Vorschüler aus zugewanderten Familien stammten. All diese Werte stellten sich als im Landesdurchschnittsvergleich ungünstig dar.

 

Initiativ mit KOMM-IN…

Die Bildungssituation zugewanderter Kinder und Jugendlicher legte die verstärkte Förderung der kindlichen Sprachkompetenz als eine Schlüsselaufgabe der Integrationsarbeit im Kreis nahe: Bereits im Jahre 2006 wurde deshalb im Rahmen einer KOMM-IN-Förderung eine kreisweite Bestandsaufnahme zur vorschulischen Sprachförderung durchgeführt. Ein wichtiger Erfolg des Projektes war die Bildung eines „Arbeitskreises Sprachförderung“, in dem sich seitdem Erzieherinnen und Sprachförderkräfte aus neun Kommunen regelmäßig zum Erfahrungsaustausch treffen.

 

Fortschritte und Defizite: eine längerfristige Aufgabe zeichnet sich ab

In den folgenden Jahren konnten die Akteure auch tatsächlich vermelden, dass die Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sich verbesserte. Dennoch musste konstatiert werden, dass verbindliche Absprachen über Inhalte nach wie vor fehlten: Der heikle Übergang von der KiTa zur Primarstufe hing in seinen Erfolgsaussichten im Wesentlichen immer noch vom individuellen Engagement von Eltern und pädagogischen Fachkräften ab. Benachteiligt waren infolgedessen besonders Kinder aus Zuwandererfamilien.

 

Aufbau verlässlicher Kooperationsstrukturen und Entwicklung verbindlicher Handlungskonzepte: die Strukturierung der Zusammenarbeit von KiTas, Grundschulen und Eltern ist ein Fall für KOMM-IN

In Anbetracht der Befunde brachten die Koordinierungsstelle Integration und das Schulamt des Märkischen Kreises in Abstimmung mit der Fachbereichsleitung Jugend und Bildung und mit erneuter Unterstützung durch das Förderprogramm KOMM-IN im Frühjahr 2009 einen Entwicklungs- und Erprobungsprozess auf den Weg, der zwei zentrale Ziele verfolgen sollte:

  1. die Weiterentwicklung und Verfestigung von Kooperationsansätzen im Umfeld der KiTas und Grundschulen,
  2. die Entwicklung übertragbarer Konzepte der kultursensiblen Einbindung zugewanderter Eltern in die Bildungsförderung der Kinder

 


Auch kreisweite Prozesse beginnen „vor Ort“: die Aktivierung der beteiligten Akteure in kommunal verankerten Projektschritten

Die operative Umsetzung des Projektes war geprägt durch die Initiierung einer Reihe kommunalbezogener Arbeitsforen:

  • KiTas und Grundschulen mit hohem Sprachförderbedarf und Interesse an einer verstärkten Kooperation wurden eingeladen, sich zu kommunalen „Tandems“ zusammenzufinden. Auf diese Weise entstanden acht Tandems in den Kommunen Altena, Halver, Hemer, in Iserlohn, Lüdenscheid und Plettenberg. Zusätzlich wurden bestehende Netzwerke in Form der Neuenrader „Bildungskonferenz“ und des Werdohler „Arbeitskreises Kommunikation“ eingebunden.
  • Über qualitative Einzelinterviews mit Leitungskräften der beteiligten Einrichtungen zu den Themenbereichen „Kooperation“, „Sprachförderung“ und „Elternarbeit“ erfolgte eine Bestandsaufnahme vorhandener Kooperationsansätze und der entsprechenden Erfahrungen. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für die weiteren Diskussionsprozesse im Projekt und die Konzeptionsentwicklungen.
  • So genannte „Regionale Workshops“ dienten in Form von Vernetzungstreffen an fünf Standorten dem Erfahrungsaustausch der Tandems unter Berücksichtigung lokaler Besonderheiten.
  • In gleichfalls lokal organisierten und zweisprachig abgehaltenen „Muttersprachlichen Workshops“ diskutierten interessierte Eltern mit den einladenden Projekttandems über Fragen der Sprachförderung und Elternbeteiligung.

Flankiert wurden diese lokal geprägten Initiativen von einigen kreisweit abgehaltenen Workshops zu „Kultursensibler Elternarbeit“, die das Ziel verfolgten, Strategien zur Einbindung zugewanderter Eltern zu konzipieren.

 


Vielfalt der Eindrücke – Einheit im Handeln

Aufgrund des lokal konzipierten Workshopcharakters wesentlicher Schritte des Projekts kam es ungeachtet der gemeinsamen grundlegenden Problemstellungen in den kommunalen Diskussionsrunden durchaus zu spezifischen Situationsbeschreibungen und Gesprächsbedarfen. Das zeigte sich zum Beispiel recht deutlich bei der Realisierung der regionalen Workshops. Da die Zusammenarbeit von KiTas und Grundschulen sowohl von lokalen Rahmenbedingungen als auch von den involvierten Persönlichkeiten abhängt, fanden sich im Einzelnen besondere Akzentsetzungen: Der gemeinsame Workshop für Hemer und Iserlohn etwa priorisierte Fragen zur Stärkung der Elternkompetenz im Ausbildungsprozess der Kinder sowie Probleme der kindlichen Mehrspachigkeit im Spannungsfeld von schulischem und häuslichem Alltag, die Lüdenscheider „Tandem“-Runde legte Gewicht auf Lösungswege zur Überwindung elterlicher Sprachbarrieren, während Plettenberg auch Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit den Moscheen und die Notwendigkeit diskutierte, eine Balance zwischen „Herkunfts-„ und „Aufnahmekultur“ herbeizuführen.

Der in die Arbeitsschritte eingebundene Werdohler Arbeitskreis „Kommunikation“ konnte exemplarisch eine schriftlich niedergelegte „Kooperationsvereinbarung zwischen Werdohler Grundschulen und Tageseinrichtungen zur Glättung der Übergänge“ sowie eine integrationsorientierte „Erziehungsvereinbarung“ mit verbindlichen Festschreibungen der Eltern- und Erzieheraufgaben präsentieren. Gleichfalls individuelle Ausprägungen erfuhren auch die muttersprachlich bzw. zweisprachig durchgeführten Workshops, so dass das Geschehen in den Foren insgesamt eine beträchtliche „Realitätssättigung“ aufwies.

In einem am 09.Dezember 2009 stattfindenden Auswertungsworkshop wurde von den im Projekt aktiven Arbeitskreisen eine gemeinsame Sichtung und Bewertung der vielfältigen Diskussionsergebnisse vorgenommen.

 

Erkenntnisse und Ideen für eine erfolgreiche Planung

Dabei gelang es  schließlich, aus den individuellen Themenstellungen, Forderungen und Verbesserungsvorschlägen gemeinsame Ideen zu destillieren, die als „Erfolgsfaktoren“ die konzeptionelle Arbeit zwischen den Kooperationspartnern KiTa, Grundschule und zugewanderten Eltern voranbringen sollen. Als wichtige Erfolgsfaktoren bei der Gestaltung des Übergangs KiTa-Grundschule wurden bspw. aufgelistet: regelmäßige Hospitationen von Erzieherinnen/Erziehern und Lehrerinnen/Lehrern bei der jeweils kooperierenden Einrichtung und die Erstellung von Entwicklungsdokumentationen zu jedem Kind in den KiTas, mit denen die Grundschulen mit gebotener Vorsicht weiterarbeiten sollen. Auch soll zum Beispiel in einem gemeinsamen Klärungsprozess, der bereits zwei Jahre vor der Einschulung beginnt, festgeschrieben werden, welches Befähigungsprofil ein Kind zum Schulbeginn mitbringen muss, aber auch, wie sich die Schule auf das Kind einstellt: hier sind  konkrete Vereinbarungen zwischen der „Schulfähigkeit des Kindes“ und der „Kindfähigkeit der Schule“ zu treffen. Auch für die Einbeziehung der Eltern wurden eine Reihe solcher Erfolgsfaktoren benannt, u.a. die Bekanntmachung zugewanderter Eltern mit der Grundschule schon deutlich vor Beginn der Schulzeit oder der verstärkte Rückgriff auf „Rucksack“-Projekte zur parallelen zweisprachigen Unterrichtung der Kinder in Schule und Elternhaus.

Den eigentlichen Abschluss des KOMM-IN- Projektes markierte eine am 10.März 2010 abgehaltene Fachtagung im Berufskolleg des Märkischen Kreises in Iserlohn, auf der die Ergebnisse der kreisweiten Arbeit noch einmal vorgestellt wurden und in einer Reihe von themenbezogenen Workshops, an denen insgesamt über 200 Personen teilnahmen, die Akteure in teils neuen Konstellationen erneut zum Austausch zusammenfanden. Die angebotenen Workshops befassten sich u.a. mit Themen wie „Kommunale Bildungsnetzwerke – Praxisbeispiele aus dem Märkischen Kreis“, „Gute Kooperation mit Migrantenorganisationen“, „Interkulturelles Training für die Grundschule“ oder “Dialogisches Arbeiten mit Eltern“. Sehr gut besucht war ein „Elternseminar für Zuwandererfamilien“, in dem es um typische, kulturell geprägte Erziehungsmuster in Zuwandererfamilien ging. Der Diskussion von „Ergebnissen und Erfahrungen aus dem KOMM-IN-Projekt“ war ein eigener Workshop gewidmet.

 

„Engeres Zusammenwachsen“

Neben der Bereitstellung der Grundlagen für die nun in Arbeit befindliche konzeptionelle Fundierung der Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten, Grundschulen und Elternschaft konnten die Projektverantwortlichen als weiteren, nachhaltigen Erfolg des Projekts ein „engeres Zusammenwachsen“ der Akteure auch über den Durchführungszeitraum hinaus verbuchen: Die entstandenen Partnerschaften bestehen fort und werden in weiteren Integrationsveranstaltungen fruchtbringend. Es zeigt sich, dass „Impulse aufgenommen worden sind und die Kommunikation mit anderen Akteuren aus dem Märkischen Kreis mehr Interesse findet.“

 

Ansprechpartner

Herr Grunwald
Tel.: 02351/966-6934
Fax: 02351/966-6480
E-Mail: b.grunwald@maerkischer-kreis.de

 


KOMM-IN NRW - Innovation in der kommunalen Integrationsarbeit - eine Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen