Bezirksregierung Arnsberg

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KOMM-IN stellt vor: Stadt Dorsten

"Mit System zum Erfolg" – Die Stadt Dorsten entwickelt nachhaltige Betreuungsstrukturen, um den Schulerfolg zugewanderter Kinder besonders im Grundschul- und Förderschulbereich zu verbessern

 

Das Integrationskonzept weist den Weg – Die Beseitigung von Defiziten im Bildungsbereich

Bereits seit einem Jahrzehnt widmet sich die Stadt Dorsten einer systematischen Verbesserung der kommunalen Integrationsbedingungen. Einen frühen Meilenstein stellte dabei das 2001 vorgestellte „Handlungskonzept zum Abbau sozialer Ausgrenzung“ dar, das als eine wesentliche Zielsetzung die Förderung der Handlungskompetenzen und Selbsthilfepotentiale Zugewanderter formulierte. Als weiterer wichtiger Schritt folgte die Gründung einer „kommunalen Lenkungsgruppe“, die unter der Federführung des Sozialamts alle im Sozialausschuss vertretenen Fraktionen repräsentiert und auf städtischer Seite auch das Amt für Familie, Jugend, Schule und Sport sowie die Ausländerbehörde beteiligt.
Erweitert um Mitwirkende aus Migrantenorganisationen, hauptamtlichen Migrationsdiensten und ehrenamtlichen Institutionen, konstituiert die Lenkungsgruppe das „Migrationsplenum“, ein umfassendes kommunales Netzwerk zur Integration.
Ein erster Höhepunkt der planerischen Arbeit in diesen engagierten Strukturen war das zu Beginn 2009 im Rahmen des damaligen KOMM-IN-Projekts vorgestellte Integrationskonzept mit dem programmatischen Titel „Vom Spannungsabbau zur Förderung der Integration“.
Das vielerlei Handlungsfelder wie „Elementarerziehung“, „Schulische Bildung“, „Jugendsozialarbeit“, „Ausbildung und Beruf“, „Wohnen und soziales Umfeld“ und „Interkulturelles Zusammenleben“ umfassende Konzept stellte verstärkten Handlungsbedarf im Bereich „Bildung“ heraus, der deutliche Defizite aufwies. Das Indikatorensystem des Integrationskonzeptes brachte es auf den Punkt:

• 20,9% der nichtdeutschen Schülerinnen und Schüler besuchen eine Hauptschule, gegenüber lediglich 10,8% der deutschen Jugendlichen.
• Während 6,4% der deutschen Schülerinnen und Schüler eine Förderschule besuchen, liegt der Anteil bei ihren nichtdeutschen Mitschülern bei 15,7%.. In der Jahrgangsstufe 8 findet sich gar ein dreimal höherer Anteil nichtdeutscher Jugendlicher.
• Schließlich weisen 18,2% der nichtdeutschen Schulabgängerinnen und -abgänger keinen Hauptschulabschluss auf. Dies ist bei gerade einmal 6,3% der deutschen Jugendlichen der Fall.

 

Die Probleme liegen im Elternhaus…

Im Zuge der Entwicklung des Integrationskonzepts stellte sich auch heraus, woher die offenkundigen Schwierigkeiten nichtdeutscher Schulkinder rühren:

Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen aus Familien mit einer Migrationsgeschichte erfahren im Elternhaus keine angemessene Unterstützung ihrer schulischen Entwicklung. Dies hängt, wie die Dorstener Akteure feststellten, auch mit Grundeinstellungen vieler „Zuwanderereltern“ gegenüber der Institution Schule zusammen, die in den Kulturen der Herkunftsländer oftmals als dominante, autarke und auch autoritäre Bildungs- und Ausbildungsstätte erlebt wird, welche in der Regel keine Intervention oder Mitwirkung der Elternschaft vorsieht. Aus mangelnder Vertrautheit mit dem eher partizipativen Ansatz des deutschen Schulsystems, das auch stärkeres Engagement der Eltern einfordert, reagieren nichtdeutsch sozialisierte Eltern deshalb oft ratlos, mitunter auch verunsichert und ängstlich auf Versuche, sie stärker einzubeziehen.

Auf der anderen Seite steht dem Wunsch der Schulen nach Einbeziehung der Elternschaft ein mangelndes Verständnis deutscher Stellen hinsichtlich dieser so anders beschaffenen kulturellen Voraussetzungen entgegen. Lösungsmöglichkeiten, das wurde hierbei deutlich, würden sich nur über die interkulturelle Vermittlungsarbeit geeigneter Kontaktpersonen finden lassen.

 

…und verlangen konzeptionelle Lösungen

Die Schulen, das Amt für Familie und Jugend, Schule und Sport sowie weitere Experten kamen schon vor dem Hintergrund des entstehenden Integrationskonzeptes überein, dass eine zuwanderergerechte Strukturierung der Schulsozialarbeit besonders Grund- und Förderschulen als die Fundamente der schulischen Karriere zu berücksichtigen habe.
Übergeordnete Aufgabenstellung des hier ansetzenden und im Frühjahr 2010 startenden KOMM-IN-Projekts war somit, ein Konzept zu erstellen, über das den Eltern Schule und Bildungssystem näher gebracht werden und das sie zu aktiver (Mit-) Erziehungsarbeit motiviert. Gleichzeitig sollte der Schule dabei geholfen werden, Kontakte zur Elternschaft zu knüpfen.

Der Weg zu einer konzeptionell fundierten Betreuungskultur sollte dabei durch folgende Zielvorgaben konkretisiert werden:

  1. den Aufbau einer verbindlichen Kontaktstelle als Ansprechstation für Schüler, Eltern und Migrantenorganisationen
  2. Abstimmungen des Betreuungsangebots mit Schulen, Migrantenorganisationen und Netzwerkpartnern und verbindliche Vereinbarungen zwischen Schulen und Kontaktstelle hinsichtlich regelmäßiger Rücksprache und Kooperation
  3. die Entwicklung eines Monitoringsystems zur Festlegung von Indikatoren und Ermittlung von Kennziffern, um über Evaluationen die Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu ermitteln
  4. eine parallele Werkstattphase an einigen Schulen zur erprobenden Vermittlung entwickelter Kommunikations- und Informationsangebote für Eltern zur Begleitung des Schul- und Lebensalltages
  5. die Einbindung von Migrantenorganisationen, u.a. auch eines bestehenden Integrationslotsensystems, in die Vermittlungsarbeit

 

Unverzichtbar: das Vertrauen von Eltern und Lehrerschaft

Um das geplante System schulbegleitender Hilfen für zugewanderte Kinder und deren Eltern über eine Kontaktstelle zu ermöglichen, musste zunächst über den unmittelbaren persönlichen Kontakt Vertrauensbildung stattfinden. In einer Werkstattphase an der Dorstener von-Ketteler-Förderschule und an der Augusta-Grundschule in den Sommermonaten 2010 machte sich eine Schulsozialarbeiterin mit den Gegebenheiten an den ausgewählten Schulen vertraut. Zweimal wöchentlich war sie in den ersten Wochen nach den Neu-Einschulungen in der Augusta-Schule vor Ort, um sich Kindern und Eltern vorzustellen. Sie wurde zu Lehrerkonferenzen, Elternsprechtagen und sonstigen wichtigen Schulveranstaltungen hinzugezogen und führte auch Hausbesuche durch.
Während ihr Einsatz in der Grundschule sich insgesamt problemlos gestaltete und recht schnell zur Aktivierung der Elternschaft bspw. in Form der gemeinsamen Erstellung eines „multikulturellen Schulwörterbuchs“ führte, musste die Schulsozialarbeiterin an der städtischen Förderschule gegen oftmals mangelnde Akzeptanz dieser Schulform bei den zugewanderten Eltern antreten, in deren Optik es sich um eine „Behindertenschule“ handelte, deren Besuch einen Makel darstellt. Hier zeigte sich besonders die Notwendigkeit aufklärender Arbeit angesichts kulturell verwurzelter Vorurteile.

 

Ohne Netzwerk geht es nicht

Trotz erfolgreicher „Pionierarbeit“ der engagierten Sozialarbeiterin an den „Werkstattschulen“ bestätigte sich, dass eine über das Modellprojekt hinausgehende effektive Beratungsarbeit, die individuelle Zuwendung gegenüber Schülern, Eltern und der Lehrerschaft sicherstellt, nicht von wenigen Personen zu leisten ist, sondern nur über das Konzept einer „hauptamtlich koordinierten Mitwirkung der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Netzwerkpartner der Dorstener Integrationslandschaft“, vermittelt über die Kontaktstelle.
Zwischenzeitlich hatte sich auch das städtische Integrationsnetzwerk weiterentwickelt. Über das Migrationsplenum hinaus konnte ein auf ein Bundesprojekt zurückgehendes nationalitäts- und ethnenübergreifendes „Dorstener Integrationsforum“ etabliert werden, in dem Vertreterinnen und Vertreter von Migrantenorganisationen, Initiativen und sonstige engagierte Einzelpersonen mitwirken, und das ebenfalls die Thematik „Erziehung, Familie, Integration, Schule und Bildung“ im Fokus hat. Unter Mitwirkung der gleichfalls eingebundenen Sozialarbeiterin stellt das Forum auch einen Pool möglicher Multiplikatoren bei der Vermittlungs- und Beratungsarbeit im Bereich Bildung, Schule und Familie.

 

Rückgriff auf KOMM-IN-erprobte Strukturen

Die Erfolge vergangener KOMM-IN-Projekte in Dorsten konnten durch die Nutzung vorhandener und sich erweiternder Netzwerkstrukturen erneut fruchtbar werden: Im Rückgriff auf die in 2009 durchgeführten KOMM-IN-Aktivitäten, die den „Aufbau eines Systems von Integrationslotsen“ ermöglichten, wurde auch dieses Instrument Bestandteil der Konzeption des Betreuungssystems. Bei Abschluss des Schulprojekts im Februar 2011 waren bereits drei Integrationslotsen an den „Modellschulen“ im Bereich der Nachhilfe aktiv. Einen zukünftig breiten Einsatz dieser Personengruppe sieht die zum Projektende vorgelegte schriftliche Konzeption auch bei einerschulbezogenen Familienbetreuung oder bspw. bei der Einrichtung von Vorlesegruppen vor.

 

Kennzahlen und Indikatoren: Ein Monitoringsystem der „Beteiligung von Kindern und Eltern am schulischen Alltag“ rundet das Dorstener Betreuungskonzept ab

Um Fortschritte und Erfolge bei der Steuerung des schulischen Integrationsgeschehens überprüfbar zu machen, entwickelten die Projektverantwortlichen den Prototyp eines umfassenden Monitoringsystems, das Verhaltensänderungen in Kennzahlen messen, statistisch erfassen und auf die Wirksamkeit durchgeführter Maßnahmen zurückführen kann.
Das in 20 „Sets“ niedergelegte Instrument eruiert zunächst Basisdaten zu den Anteilen von Schülern mit und ohne Migrationshintergrund, bezogen auf Schultypen Grund- und Förderschule, verlängerter Grundschulbesuch, zurückgeschulte Kinder etc.), Empfehlungen zum weiteren Schulbesuch und die Feststellung eines besonderen Förderbedarfs.
Weitere Erfassungen erhellen das Schülerverhalten (Ordnung, Pünktlichkeit, Schulbesuch, Hausaufgaben, Beteiligung an Klassenfahrten, Schulsport) sowie das der Eltern, hier insbesondere hinsichtlich der Beteiligung an schulischen Veranstaltungen wie Klassenpflegschaftsversammlungen, Einschulungsveranstaltungen, Elternabenden, Lehrersprechstunden, Berufsvorbereitungsinformationen oder der aktiven Teilnahme an Schulfesten.

 

Gute Aussichten: Projektvernetzung verheißt nachhaltige Strukturen einer „koordinierten und gesteuerten zuwandererorientierten Schulsozialarbeit“

Der im Februar 2011 fertig gestellte Entwurf zur „Konzeption und Aufbau eines Systems der Schulsozialarbeit“ zog ein positives Resümee und konnte einen optimistischen Blick in die Zukunft wagen: Als besonders vielversprechend wurde dabei die Vernetzung des als Bundesprojekt gestarteten „Dorstener Integrationsforums“ mit dem eigentlichen Schulsozialarbeitsprojekt und dem Integrationslotsensystem bewertet.
Die im Bereich der Schulsozialarbeit anzusiedelnde Kontakt- und Koordinationsstelle würde derweil dafür sorgen, dass unnötige Überschneidungen bei der Wahrnehmung der Betreuungsaufgaben durch die haupt- und ehrenamtlich Aktiven verhindert werden.

 

Ansprechpartner:

Herr Thomas Rentmeister
Sozialamt Dorsten

Tel.: 02362/664422

E-Mail: thomas.rentmeister@dorsten.de

 



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