Bezirksregierung Arnsberg

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KOMM-IN stellt vor: Stadt Hilden

"Integration ist Bewegung"- Die Stadt Hilden entwickelte ein "Handlungskonzept zur Integrationsförderung im Sport", das auch auf die Mitwirkung ehrenamtlich engagierter Zuwanderer setzt

 

Sportvereine - Spiegel der Gesellschaft
"Die Beteiligung in Sportvereinen ist ein wichtiger Indikator für die gesellschaftliche Integration von Kindern und Jugendlichen  - und damit der späteren Erwachsenengeneration". Mit dieser Feststellung benannten die Verantwortlichen im Integrationsbüro der Stadt Hilden bereits einen gewichtigen Grund für die Beantragung eines Projekts, das die interkulturelle und kultursensible Ausrichtung der kommunalen Vereinsszene evaluieren und befördern sollte. Dabei konnten sie sich auch auf das im städtischen Integrationskonzept festgeschriebene Handlungsfeld "Integrationsförderung im Sport" stützen.
Der Handlungsbedarf in diesem Bereich wurde durch die vorgefundene Situation vor Ort durchaus bestätigt: Bis zum Zeitpunkt der Projektvorbereitungen waren die Themenfelder "Integration" und "Sport" strategisch kaum zusammengedacht worden, eine systematische Nutzung der Integrationskraft sportlicher Aktivitäten mithin noch Neuland.
Das hieß allerdings nicht, dass im Vereinsalltag nicht schon viele Beispiele gelebter Integration zu beobachten waren. Zu nennen ist zum Beispiel die traditionelle "Hildener Allgemeine Turnerschaft von 1864 e.V.", mit über 3.500 Mitgliedern der größte Verein am Ort, und einer der interkulturell aktivsten: Hier war Integration bereits selbstverständlicher Bestandteil des Alltagsgeschäfts; es gab einen der Bevölkerungszusammensetzung entsprechenden Anteil an Zuwanderern, eine entsprechende Angebotsvielfalt und eine ethnisch bunte Übungsleiterschaft. Vorbildlich war auch die integrativ ausgerichtete Zusammenarbeit des Vereins mit Kindergärten und Grundschule oder die Bereitstellung spezifischer Angebote wie zum Beispiel Schwimmen und Turnen für muslimische Frauen.

 

Die Situation zu Projektbeginn: viele Beispiele "gelebter Integration" – aber auch solche des ethnischen Rückzugs
Ungeachtet der sich als notwendig erwiesenen Systematisierung und Koordinierung der Integrationsbemühungen im sportlichen Leben der Stadt konnten die Projektpartner aus Integrationsbüro und dem kommunalen "Sportbüro" auf eine weitgehende interkulturelle Offenheit der alltäglichen Vereinsarbeit aufbauen. "Sportbüro"-Leiterin Claudia Ledzbor erklärte gegenüber der "Rheinischen Post", die über das Projekt berichtete, sogar: "In Hilden läuft die Integration von Migranten und Ausländern in Sportvereinen schon gut."
Vor dem Hintergrund dieses positiven Befundes hob sich allerdings die Situation in den ebenfalls recht zahlreich vertretenen "ethnisch homogenen Vereinen" ein wenig ab. Gemeint sind zum einen "traditionell deutsche" Vereinigungen, die für Zuwanderer eher schwerer zugänglich sind, aber auch Hildener "Zuwanderervereine" wie der "Marokkanische Sportverein", der "AC Italia Süd" oder der "Türkische Fußballclub e.V".  Hier lag die Ursache für eine teilweise zu beobachtende gewisse Reserviertheit in den sich wechselseitig bedingenden Vorannahmen zugewanderter und deutschstämmiger Menschen: Während erstere dem Gefühl folgten: "Die wollen uns nicht.", sahen sich die anderen in ihrer Einschätzung bestätigt: "Die kommen ja eh nicht."
Auch wenn in diesem Bereich mittlerweile ebenfalls Öffnungstendenzen zu beobachten waren, lag die Notwendigkeit der systematischen Initiierung eines "interkulturellen Dialogs" auf der Hand.

 

"Bewegung" in die Sportvereine bringen! – mittels "klassischer" KOMM-IN-Instrumente
Der Start des Projektes erfolgte im Mai 2010 schließlich in optimistischer Stimmungslage: Es stand zwar eine Menge Arbeit bevor, hinsichtlich der Zielgruppen konnte aber aufs Ganze gesehen auf Aufgeschlossenheit und Kooperationsbereitschaft vertraut werden. Was in Teilen der Vereinsszene zu beobachten war, waren ja auch weniger Zeichen der Ablehnung als vielmehr gegenseitige Fehleinschätzungen, die es zu beheben galt.
Ausgewiesene Hauptzielsetzungen der KOMM-IN-Unternehmung waren die Entwicklung eines mit den Hildener Sportvereinen, der Jugendförderung, den Schulen und auch einem kommerziellen Anbieter abgestimmten Handlungskonzeptes zur Förderung der Integration durch Sport sowie die Gewinnung von Ehrenamtlichen mit Zuwanderungsbiographie, die in den Vereinen aktiv werden sollen.
Zunächst aber musste im Sinne "klassischer" KOMM-IN-Arbeit eine gründliche Bestandsaufnahme des status quo und eine Vernetzung wichtiger Akteure bewerkstelligt werden. Dazu bildete man eine Projektgruppe, die alle Aktivitäten koordinierte und den KOMM-IN-Prozess fachlich begleitete. Das Gremium rekrutierte sich aus den Vorständen, der Geschäftsführung und den Übungsleitern Hildener Sportvereine, Vertretern des Stadtsportverbandes, des Amtes für Jugend, Schule und Sport, Akteuren des Integrationsbüros sowie externen Projektbegleitern.
Ein Fundament für die zukünftige integrative Arbeit bildeten dann quantitative und qualitative Erhebungen zu den Angeboten der Vereine für und von Bürgern mit Zuwanderungsgeschichte. Inhalt der quantitativen Evaluation bei ca. 50 Hildener Sportvereinen waren Fragen zu Mitgliederstrukturen, Anzahl und Beschaffenheit der Angebote, zum Nutzungsgrad der Angebote und zur Anzahl Zugewanderter, die als Übungs-oder Jugendleiterinnen und –leiter oder als Vorstandsmitglieder aktiv sind.
Ergänzt wurde diese Bestandsaufnahme durch qualitativ ausgerichtete aktivierende Interviews mit 30 ausgewählten Expertinnen und Experten. Dabei ging es um die Schilderung positiver wie negativer Erfahrungen und vor allem um Praxisbeispiele erfolgreicher integrativer Sportarbeit. Angesprochen in diesem Projektteil wurden Vorsitzende verschiedener Vereine sowie Übungs- und Jugendleiterinnen und –leiter mit und ohne Migrationsvita.
Weitere Stationen auf dem Weg zur Etablierung eines umfassenden Handlungskonzeptes waren verschiedene Workshops und Gesprächsrunden, die der Auswertung der Befragungen und der Abstimmung der Konzeptgrundlagen dienten, schließlich auch eine Werkstattphase zur Erprobung ausgewählter Ansätze.

 

Vielerlei Aufschlüsse und ein Handlungskonzept – das Fundament erfolgreicher Integrationsarbeit im Sport ist gelegt!
Wie erhofft lieferten die Erhebungen eine Vielzahl von Ergebnissen zu den integrativen Angeboten, zu Nutzungsverhalten und Bedürfnissen der Zielgruppe und zum integrativen Innenleben der Vereine und der sonstigen maßgeblichen Akteure. Sie bilden damit einen wertvollen Datenpool, auf den zukünftige Integrationsarbeit zurückgreifen kann.
Mit der Vorlage des Sachberichtes zum durchgeführten KOMM-IN-Projekt wurden aus dem gewonnenen Material bereits eine Reihe grundlegender Erkenntnisse destilliert:
Es bestätigte sich der Eindruck, dass Hildener Sportvereine und Institutionen  sich des Stellenwerts ihrer Aktivitäten bei der Beförderung von Integration sehr bewusst sind; sie signalisieren Offenheit und Toleranz und wünschen sich in manchen Sparten, wie bei der Leichtathletik oder beim Turnen, ausdrücklich eine stärkere Beteiligung bzw. eine bessere Erreichbarkeit von Zuwanderern. Auch die (noch!) ethnisch ausgerichteten Vereine orientieren sich zunehmend heterogen und zeigen sich grundsätzlich für alle Interessierten geöffnet.
Trotz eines positiven Gesamtbildes wurden natürlich auch Schwachpunkte aufgespürt: So sind bspw. Mädchen, Mütter und auch Senioren aus dem traditionellen Gastarbeitermilieu sowie aus religiös-traditionellem Herkommen in Vereinen unterrepräsentiert. Auch im Bereich des Gesundheitssports sind Migranten selten anzutreffen. Kritisch vermerkten die Berichterstatter den Mangel an geeigneten Übungsleitern, begrenzte Platz- und Hallenkapazitäten und den bisweilen mangelhaften Zugang zu bestimmten ethnischen Gruppen, alles Defizite, die die integrative Wirkkraft der Vereine noch schmälern. Ebenfalls nicht verschwiegen wurde das Vorkommen von "Cliquenbildungen" in eigentlich interkulturell besetzten Sportmannschaften und sonstige Abschottungstendenzen einiger Gruppen. Auch die noch mangelhafte Repräsentanz zugewanderter Menschen in der Vorstandsarbeit (von zwölf mit einem Abteilungsvorstand versehenen interviewten Vereinen konnten nur drei Zuwanderer im Vorstand vermelden!) fand Erwähnung.
Über Workshops und Gesprächsrunden flossen die Befunde dann in das "Herzstück" des Projektes, das zentrale "Handlungskonzept zur Integrationsförderung im Sport". Hier wurden u.a. folgende Leitlinien formuliert, die der weiteren integrativen Sportarbeit in Hilden die Richtung weisen sollen:

  • Interkulturelle Nutzung der Ergebnisse der jährlichen motorischen Tests bei Grundschulkindern durch das Sportbüro Hilden
  • Implementierung eines systematischen Austausches zwischen einheimischen und Zuwanderervereinen und zwischen den Moschee-Vereinen, unter Mitwirkung des Integrationsbüros und des Hildener Sportbüros
  • Erstellung eines fortlaufenden kultursensiblen Überblicks über Sportangebote für Frauen
  • Einbindung von Zuwanderern in den Ausbildungsbereich zu Übungs- und Jugendleitern und in das Vereinsmanagement.
  • Coaching von Zuwanderervereine hinsichtlich der Grundlagen professioneller Vereinsarbeit wie rechtliche Grundlagen, Sponsoring, organisatorische Planungen oder Öffentlichkeitsarbeit
  • Unterstützung von Initiativen zur interkulturellen Öffnung von Sportveeinen
  • Einrichtung eines Hildener "Bündnisses für Vielfalt und Toleranz im Sport"

 

Engagement und Ehrenamt
Entscheidend für die Nachhaltigkeit der neustrukturierten Hildener Integrationsarbeit im Sport ist auch die weiterhin hohe Mitwirkungsbereitschaft der über die Gremien und Vereine vernetzten und engagierten Menschen. Deshalb bestand ein wichtiger Teilerfolg des Projektes darin, dass mittels der Beteiligung an Workshops und Sitzungen wie beabsichtigt zahlreiche ehrenamtliche Akteure aus Zuwanderer- und Sportvereinen und aus dem Integrationsrat gewonnen werden konnten, die das Projekt als Experten oder Vorbilder begleiteten und damit auch für das ehrenamtliche Engagement warben.
Eine nachhaltige Wirkung scheinen die Entwicklungen in Hilden indes auch über die Stadtgrenzen hinaus zu zeitigen: So setzt auch die Landeshauptstadt Düsseldorf in einem geplanten, ehrgeizigen Projekt auf die integrative Kraft des Sports und beruft sich dabei auf das Vorbild der Hildener.

 

Ansprechpartner:
Monika Klemz
Tel.: 02103/72-550
 e-mail: monika.klemz@hilden.de

Tobias Wobisch (Integrationsbüro)
Tel.: 02103/72-561
e-mail: tobias.wobisch@hilden.de      

Claudia Ledzbor (Sportbüro)
Tel.: 02103/72-544
 e-mail: claudia.ledzbor@hilden.de    

 



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