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KOMM-IN stellt vor: Stadt Mülheim

Mülheim an der Ruhr und die Gesichter des Ehrenamts: Wie die Stadt eine nachhaltige „Vernetzung von haupt-, neben- und ehrenamtlichen Unterstützern im Integrationsbereich“ bewerkstelligte

 

Mülheim: Integrative Tradition in Kommune und Zivilgesellschaft

Wie in vielen nordrhein-westfälischen Großstädten wird auch in der Revierstadt Mülheim an der Ruhr das Thema „Zuwanderung und Integration“ seit vielen Jahren als kommunale Herausforderung wahrgenommen. Davon zeugen neben der Konstituierung eines „Ausländerbeirates“ bereits Ende der siebziger Jahre, welcher im Jahre 2004 von dem neugebildeten „Integrationsrat“ abgelöst wurde, städtische Initiativen wie das 2003 unter Federführung der VHS begonnene Fortbildungsangebot zu „Interkultureller Kompetenz als Schlüsselqualifikation“, das sich an Mitarbeiter der Kommunalen Verwaltungen richtet, oder das 2004 dezernatübergreifend entwickelte gesamtstädtische Konzept „Deutsch und interkulturelles Lernen in Mülheim an der Ruhr (DILIM)“ in den Bereichen Elementarpädagogik, Schule und Erwachsenenbildung. Ende 2004 wurde auch die Koordinierungsstelle Integration“ geschaffen und das Instrument der „Zielfindungskonferenzen“ im Aufgabengebiet „Zuwanderung und Integration“ eingeführt.

Gleichsam „aus der Mitte der Gesellschaft“ heraus formierte sich zudem schon im Jahre 1994 als Reaktion auf einen rassistischen Übergriff ein Runder Tisch gegen Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt, der bis zum heutigen Tage unter dem Titel „Mülheimer Initiative für Toleranz“, kurz „MIT“ fortbesteht und mit über 80 mitwirkenden Institutionen und Personen eine der größten Bürgerinitiative in Mülheim darstellt.



Enge Spielräume und hoher Handlungsbedarf…

Die aktuelle demographische Entwicklung Mülheims ist, nicht anders als in sonstigen Gemeinwesen vergleichbarer Größenordnung, geprägt von rückläufigen und Überalterung signalisierenden Bevölkerungszahlen. Bei einem gleichzeitigen Anstieg des Anteils zugewanderter Bürger zeigen sich erhöhte Arbeitslosigkeit und damit einhergehend ein gestiegenes Verarmungsrisiko in bestimmten Ethnien und Sozialräumen. Ein erhöhter Handlungsbedarf  trifft aber auf kommunaler Ebene auf die stete Verknappung der finanziellen Spielräume. Darum mussten die Verantwortlichen im Jahre 2007 anlässlich der Beantragung einer zweiten Förderung im Rahmen des KOMM-IN-Programms feststellen: „Die finanziellen Möglichkeiten der Stadt allein reichen nicht aus, um den Bedarf an Verwaltungsleistungen zwischen Zuwanderern und Aufnahmegesellschaft mit hauptamtlichen Kräften zu befriedigen.“



Hayriye…und die Einbindung ehrenamtlicher Akteure

Konsequenz war Planung und Durchführung eines Projekts, das auf die „Vernetzung haupt-, neben- und ehrenamtlicher Unterstützer“ abzielte, auf „die intensive Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure sowohl innerhalb der Schwerpunkte Kita/Schule, Wohnen, Kultur, Gesundheit und Soziales als auch bereichsübergreifend.“ Nur dann seien auch weiterhin  Effektivität und Effizienz der bereits laufenden Integrationsaktivitäten zu gewährleisten.



Potenziale nutzen!

Ansätze des ehrenamtlichen Engagements in den relevanten Handlungsfeldern der Integrationsarbeit waren in Mülheim zwar schon vor Projektbeginn vorhanden, aber „im operativen Bereich noch nicht systematisch mit hauptamtlichen Akteuren vernetzt.“ Insbesondere sollten die Potenziale der Zuwanderer selbst –namentlich Zweisprachigkeit und Wissen über kulturelle Bedingtheiten der Zielgruppe- erschlossen und eingesetzt werden.



Zauberwort „Zweisprachigkeit“: die Eröffnung eines weiten Einsatzspektrums

Die bilingualen Fähigkeiten zugewanderter Bürger legten Einsatzmöglichkeiten in vielen Themenfeldern nahe, wie der Zielkatalog des im Mai 2007 gestarteten Projektes dokumentierte:

  • Es sollte, unter anderem in Zusammenarbeit mit der städtischen RAA, dem Ausländeramt, Mitgrantenselbstorganisationen und dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement e.V.(CBE), welches auch als Projektträger auftrat,  ein Pool ehrenamtlicher und nebenamtlicher Übersetzer/innen und Vermittler/innen zwischen Eltern und Kitas bzw. Schulen aufgebaut werden.
  • Als „Praxishilfen“ im Gesundheitsbereich steht die Vermittlung von Kenntnissen über das Gesundheitssystem und die Begleitung sprachunkundiger Zuwanderer bei Arztbesuchen auf dem Programm.
  • In Zusammenarbeit mit der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWB) und der Mülheimer Wohnungsbau e.G., die ebenfalls den Sprachkundigenpool nutzt, werden Zugewanderte bei der Wohnungssuche und bei  Wohnungsproblemen unterstützt.  .
  • Ehren- und nebenamtliche Übersetzer und Vermittler helfen im Handlungsfeld Soziales und Jugendhilfe beim Abbau von Zugangsbarrieren; sie spielen gleichfalls eine Rolle bei der engeren Abstimmung der Arbeit von Ausländeramt, Migrationserstberatung und Jugendmigrationsdienst.
  • Bedarfsweise stehen bei spezifischen Problemlagen und für Vermittlungsaufgaben auch stadtteil- und quartiersbezogen arbeitende „Community-Scouts“ zur Verfügung.
  • In Zusammenarbeit mit den städtischen Kultureinrichtungen , der RAA, dem CBE und den Migrantenselbstorganisationen werden zugewanderte Jugendliche als Kulturbotschafter eingesetzt.



Der Erfolg hängt an der Vernetzung…

MarinaEin knappes Jahr nach dem Start des Projektes konnte die verantwortliche „Koordinierungsstelle Integration“ der Stadt Mülheim eine gelungene Umsetzung der ehrgeizigen Zielvorgaben vermelden. So war in der Zwischenzeit bspw. ein Sprachkundigenpool von 35 ehrenamtlich Tätigen in 12 Sprachen entstanden. Die Einsatzbereiche der ehren- und nebenamtlichen Akteure mit Zuwanderungsgeschichte wurden wunschgemäß realisiert. „Community Scouts bspw. konnten vielfältig tätig werden, so bei der Kontaktaufnahme zu Selbstorganisationen, Gesundheitsgesprächen, vorbereitenden Bedarfsumfragen unter Migranten oder bei der Mitorganisation der Fotoausstellung „Gesichter des Ehrenamtes“ über ehrenamtlich engagierte Zuwanderer.

Möglich wurde dieser Erfolg durch den konsequenten Aufbau effektiver Kooperationsstrukturen zwischen den städtischen Stellen, den Migrationsfachdiensten, Freien Trägern und Selbsthilfeorganisationen. Von diesen zeugte neben der Bildung von vorbereitenden Arbeitsgruppen zu den Einsatzgebieten der Ehrenamtlichen auch die Einrichtung einer Internetplattform und einer zentralen Datenbank zu „Neben- und ehrenamtlichen Unterstützern im Integrationsbereich“. Weiteres Instrumentarium ist eine zentrale Akteurskonferenz als übergeordnete Plattform des Informationsaustausches zwischen den Akteuren der genannten Schwerpunktbereiche. Daneben gab es Informationsveranstaltungen für Neben- und Ehrenamtliche zu verschiedenen Fachthemen.



Mevlüt Öztürk, Trainer der Tanzgruppe, Foto: Sabrina Richmann & Noemi Schmidt…und gelungener Öffentlichkeitsarbeit!

Bestandteil des Projekts war auch eine Initiative der städtischen „Koordinationsstelle Integration“, des „Centrums für bürgerschaftliches Engagement“ und der RAA zur Gewinnung weiterer Ehrenamtlicher und Netzwerkpartner. Neben der Vorstellung des Sprachkundigenpools bei Migrantenselbstorganisationen, der „Mülheimer Initiative für Toleranz“ und bei Lehrenden der VHS und einer intensiven Medienarbeit –Berichterstattungen fanden sich u.a. in WAZ, NRZ, Mülheimer Woche, Radio Mülheim sowie den WDR-Regionalnachrichten- gab es einige „Highlights“, die dem Unternehmen  noch einmal nachhaltig Popularität bescherten. Dabei ist besonders eine Fotoausstellung über zwölf ehrenamtlich engagierte Zuwanderer und Zuwanderinnen mit dem Titel „Gesichter des Mülheimer Ehrenamts“ zu nennen, die über das “CBE“ organisiert wurde. Das Spektrum des porträtierten Engagements reicht von der Erteilung wöchentlichen Kunstunterrichts im russlanddeutschen Forum über die Betreuung türkischer und nichtürkischer Kinder und Jugendlicher in Tanzgruppen und Fußballvereinen bis zum international besetzten Literaturzirkel junger Abiturientinnen, die gemeinsam lesen und diskutieren und die Freude an der Literatur in eigenen kleinen Projekten auch Kindern vermitteln wollen. Die fotografische Umsetzung der zur Wanderausstellung ausgebauten Schau leisteten zwei ebenfalls ehrenamtlich arbeitende Studentinnen der Fotografie.



Netzwerkarbeit und Ehrenamt – ein Gewinn für alle Beteiligten!

LiteraturkreisZum Ende der Projektlaufzeit war klar, dass man dem zentralen Ziel von Integrationsarbeit, nämlich „eine gleichberechtigte Teilnahme aller Bevölkerungsgruppen am gesellschaftlichen Geschehen in all seinen Facetten zu ermöglichen“, wie es in den vom „CBE“ herausgegebenen resümierenden „Handlungsempfehlungen“ heißt, ein großes Stück näher gekommen war. Einerseits verbessern die neuen Formen der Zusammenarbeit und effizienter organisierte Kommunikationsprozesse die Integrationsangebote, die die Stadt und die freien Träger Zuwanderern in der Stadt anbieten können, zum anderen werden durch Vermittlung der ehrenamtlichen Multiplikatoren Kontakte zu den Ethnien intensiviert, mithin Zuwanderinnen und Zuwanderer noch mehr Teil der Stadtgesellschaft. Diese Entwicklungen führten schließlich zu einem optimistischen Fazit der Projektmacher: “Das Zusammenleben in der Stadt verbessert sich und der soziale Frieden wird gefördert.“



Ansprechpartnerin:

Iris Hofmann
Tel.: 0208/455-1531
Fax: 0208/-581531
E-Mail: Iris.hofmann@stadt-mh.de

 


 

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