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KOMM-IN stellt vor: Stadt Münster

Wappen der Stadt Münster„Die Brückenbauerinnen von Münster“

 

Zugewanderte Frauen in Münster- oftmals sozial isoliert

Neu zugewanderte Frauen, aber auch solche, die bereits seit vielen Jahren im Bundesgebiet leben und dennoch nur über schlechte deutsche Sprachkenntnisse verfügen, können vor allem aus familiären Gründen und solchen einer kulturell bedingten Ungleichbehandlung der Geschlechter nur schwer in Sprach- und Orientierungskurse vermittelt werden:

Zu diesem Ergebnis kamen Vertreter des Amtes für Ausländerangelegenheiten der Stadt Münster, des Münsteraner Frauenbüros und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Frühjahr 2007 in ihrem Fachgespräch zur „Verbesserung der Integration von Migrantinnen in Münster“.

Folge dieser „Sprachlosigkeit“ und der damit einhergehenden Gebundenheit an das häusliche Umfeld ist ein stark eingeschränkter oder gar nicht vorhandener Zugang zu wichtigen vorhandenen Informations-, Beratungs-, Bildungs- und Hilfsangeboten aller Art, die Integration unterstützen können.

 

„Brücken bauen für Migrantinnen“ – oder: Frauen helfen Frauen...

Das Frauenbüro der Stadt Münster machte sich zusammen mit einer Mitarbeiterin der „Brücke“, dem Internationalen Zentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität, Gedanken darüber, wie der Situation zu begegnen sei. Klar war, dass die Zielgruppe nicht über die gängigen Informationswege wie Auslageschriften oder Flyer zu erreichen war. Was gebraucht wurde, waren von vertrauenswürdigen Mittlerinnen individuell verfügbar gemachte Informationen zu jeweils passgenauen Angeboten: Die Idee der –weiblichen und muttersprachlichen- „Brückenperson“ war geboren.

Um das Modellprojekt auf den Weg zu bringen, wurde unter der Geschäftsführung des Frauenbüros der „Arbeitskreis Migrantinnen“ gegründet, in dem alle Institutionen und Einrichtungen vertreten sind, die im Bereich der Hilfe- und Beratungsangebote für zugewanderte Menschen in Münster tätig sind. Durch die Vernetzung und Kooperation der kommunalen Infrastruktur von freien Trägern, städtischen Vertreterinnen, der Universität Münster und dem Ausländerbeirat wurde die Operationsbasis für die Aktivitäten der „Brückenbauerinnen“ geschaffen.

 

Wie man „Brückenbauerinnen“ findet...

Die erforderlichen Voraussetzungen für die Arbeit als „Brückenfrau“, nämlich gute Beherrschung sowohl der jeweiligen Herkunfts- als auch der deutschen Sprache, Verständnis hinsichtlich Kultur und Sozialisationsrealitäten der Betreuten sowie des Aufnahmelandes, die Bereitschaft zur Qualifizierung, Aufgeschlossenheit und geistige und zeitliche Flexibilität während der einjährigen Projektlaufzeit legten die Zielgruppe ausländischer Studentinnen als Anzuwerbende nahe. Angesprochen wurden sie über die ausländische Studierendenvertretung, Informationsveranstaltungen und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit samt Verteilung von Flyern und Plakaten. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren konnten in einer Gruppe von anfänglich 20 Interessierten schließlich 11 hoch motivierte und für das Projekt geeignete junge Frauen gefunden werden.

Dabei wurde hinsichtlich der Herkunftsländer der Studentinnen  eine Auswahl getroffen,  die die staatlichen, ethnischen und religiösen Zugehörigkeiten der zu Betreuenden repräsentierte. So waren unter den „Brückenfrauen“ Vertreterinnen des Nahen und Mittleren Ostens, des ehemaligen Jugoslawiens, der ehemaligen Sowjetstaaten, der Türkei und einiger afrikanischer Staaten. Entsprechend konnten russische, ukrainische, georgische, türkische, persische, arabische, rumänische, serbische, bosnische und kroatische sowie afrikanisch-dialektale muttersprachliche Kenntnisse zum Einsatz kommen. Auch die Altersstruktur der teilnehmenden Frauen bot ein vielfältiges Bild mit der 19-jährigen Erstsemesterin im Fach Erziehungswissenschaften  und der 33-jährigen Theologiedoktorandin an den Enden des Spektrums.

 

In konzertierter Aktion: Qualifizierung schafft die Brückenpfeiler

Um die „Brückenbauerinnen“ in die Lage zu versetzen, die von ihnen zu betreuenden Frauen kompetent an Sprach- und sonstige Integrations-, Bildungs- und Hilfsangebote in Münster heranzuführen, war eine umfassende Qualifizierung durch die im „Arbeitskreis Migrantinnen“ vertretenen städtischen Stellen und Wohlfahrtsverbände erforderlich. Dazu wurde im Rahmen der KOMM-IN-Förderung ein detailliertes Schulungskonzept entwickelt und exemplarisch erprobt.

Als erste Arbeitsgrundlage wurde den Studentinnen zunächst eine katalogisierte Angebotsübersicht der relevanten Behörden, Institutionen, Organisationen und Vereinen in den verschiedenen Stadtteilen samt Flyern zur weitergehenden Information ausgehändigt.

Das Kernstück der Ausbildung bildete jedoch eine Reihe gemeinsam geplanter Workshops, die Anfang November 2007 mit einer Veranstaltung zum Thema „Rechtliche Situation der Frauen“ begann. Vertreterinnen des Münsteraner Amtes für Ausländerangelegenheiten und des Caritasverbandes gaben einen Überblick über Aufenthaltsstatus, das Zuwanderungsgesetz und die rechtliche Grundlage der Verpflichtung zu Sprach- und Orientierungskursen. Anhand von in Gruppenarbeit behandelten Fallbeispielen und Gesetzestexten wurde bei den Studentinnen ein Grundverständnis für die komplexen Voraussetzungen verschiedener Aufenthaltstitel und Auflagen geschaffen.

Im Folgenden fanden unter der Leitung von Fachfrauen der städtischen Ämter und der freien Träger weitere ähnlich strukturierte Workshops zu den Themen „Beratungssysteme“, „Sozialisation und Erziehung“, „Gesundheit“, „Selbstbehauptung/Deeskalation“ sowie „Bildung, Arbeit, Ausbildung“ statt.

Den zweiten Teil der Qualifizierungsphase bildete im Januar 2008 eine in den Räumlichkeiten der VHS abgehaltene „Zukunftswerkstatt“ mit dem Ziel, Strategien der Kontaktaufnahme mit der Zielgruppe zugewanderter Frauen zu entwickeln. Neben der Projektleitung war auch eine Psychologin an der Konzeption und Durchführung dieser Veranstaltung beteiligt.

 

Das Projekt in der Praxis: Brücken zwischen allen Beteiligten...

Die über die KOMM-IN-Förderung hinausgehende Durchführungsphase des Projekts, die im Februar 2008 begann, zeigte schließlich, dass von der Arbeit der Studentinnen nicht allein die aufgesuchten und beratenen Zuwanderinnen profitierten, sondern indirekt alle mit Integrationsarbeit befassten Akteure innerhalb und auch außerhalb des Projekts. Die „Brückenbauerinnen“ schafften es nicht nur, Berührungsängste und Unkenntnis der Migrantinnen gegenüber den kommunalen Beratungseinrichtungen abzubauen, sie förderten auch wichtige Erkenntnisse zu den tatsächlichen Problemlagen und Potentialen zugewanderter Frauen bezüglich der in den Workshops vorbereiteten Themenfelder zutage, Erkenntnisse, die für die Integrationsarbeit in Münster allgemein zielführend werden können.

Zudem wurde in Expertinneninterviews mit Mitarbeiterinnen des „Arbeitskreises Migrantinnen“ die positive Rückwirkung der Tätigkeit der „Brückenbauerinnen“ auf die Arbeit der Beratungsdienste bestätigt.

Auch die Kooperation zwischen den beteiligten Institutionen integrativer Arbeit wurde über die gemeinsame Tätigkeit im Projekt ausgebaut und gefestigt.

AbschlussveranstaltungNach dem Abschluss des Projekts im September 2008 wurde der „Arbeitskreis Migrantinnen“ in das Münsteraner „Stadtweite Netzwerk - Integration für Menschen mit Migrationsgeschichte“ einbezogen. Dieses umfassende Netzwerk soll damit zukünftig verstärkt auch mit und für Frauen mit einer Migrationsvorgeschichte tätig werden.
Die Studentinnen selbst haben Wissen und Fertigkeiten erworben, die sie über den Projektzeitraum hinaus in ihrem sozialen Nahraum nutzen und weitergeben wollen. Als Tipp zur Nachahmung sollte die Gruppe der „Brückenfrauen“ um Ehrenamtliche und Mitarbeiterinnen aus Institutionen und Beratungsstellen, mit und ohne Migrationsvorgeschichte, erweitert werden.

„Brücken bauen für Migrantinnen“ hat als Modellprojekt bereits ähnliche aus Landes- und Bundesmitteln geförderte Vorhaben inspiriert.

 

Kontakt

Frau Reckfort
Tel.: 0251/4927059
e-mail: reckfort@stadt-muenster.de

 

Frau Sakari
Tel.: 0251/8322229
e-mail: ley.ask@googlemail.com