Bezirksregierung Arnsberg

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KOMM-IN stellt vor: Stadt Recklinghausen


Vom Finden der gemeinsamen Sprache –
Das "Integrationsbüro" in Recklinghausen koordiniert nicht nur die Sprachkursangebote der Stadt



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Einsichten und Hindernisse

Dass die Beherrschung der deutschen Sprache eine Schlüsselrolle im Integrationsprozess zugewanderter Menschen einnimmt, war den Verantwortlichen in Recklinghausen nicht erst seit Inkrafttreten der Integrationskursverordnung im Rahmen des Zuwanderungsgesetzes bewusst. Darum war es auch kein Wunder, dass der Arbeit an einem Gesamtintegrationskonzept die Erstellung eines städtischen Sprachförderkonzeptes voranging. Die konzipierende Arbeitsgruppe erkannte dabei sehr schnell einen hohen Abstimmungsbedarf zwischen allen beteiligten Akteuren. Aufgedeckt wurden große Defizite bei der Informationspolitik und Koordination sowohl der Anbieter untereinander als auch beim Austausch mit ARGE und Ausländerbehörde. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe kamen überein, dass eine spezielle Arbeitsgemeinschaft der Akteure die Missstände angehen müsse.
Leider zeigte sich aber, wie schwierig es im Alltagsgeschäft sein kann, richtigen Einsichten Taten folgen zu lassen: Eine informelle Umfrage im Mai 2005 förderte zutage, dass sich die Konkurrenzsituation zwischen den Anbietern von Sprachkursen weiter zugespitzt hatte. Resultat der mangelhaften Kooperation war das Zustandekommen von lediglich drei Kursen eines privaten Anbieters trotz eines Maßnahmenangebotes von insgesamt sechs Sprachkursträgern. Auch das Verhältnis zwischen der Ausländerbehörde und den Migrantenselbstorganisationen, die sich über widersprüchliche Informationsstrategien beklagten, zeigte weiterhin deutlichen Verbesserungsbedarf.



Der Mut zu einem zweiten Anlauf

In dieser Situation kam mit dem Förderprogramm "KOMM-IN" die Chance für einen neuen Anlauf. Unter dem Projekttitel "Die Integrationskurse in der Praxis – Es geht nur kooperativ" startete zur Jahresmitte 2005 ein Unternehmen, das die Behandlung der drängenden Probleme im Sprachförderbereich zum Ausgangspunkt einer umfassenden Abstimmung aller Integrationsakteure und ihrer Angebote machen sollte.
Dabei gab die Kick-Off-Veranstaltung im September 2005 das Motto vor: "Wir sind nicht mehr am Anfang, aber wir fangen noch einmal an." Teilnehmer des Vorbereitungstreffens waren neben den Vertretern der Stadt, den Sprachkursträgern, der ARGE, der Ausländerbehörde und der Migrationserstberatung auch der Integrationsratvorsitzende, ein Vertreter des BAMF und Abgeordnete der beruflichen Weiterbildung. Man eignete sich auf  die grundsätzlichen Zielsetzungen einer "Umwandlung der Konkurrenzsituation in einen pragmatischen kundenorientierten Lösungsansatz" sowie die "Beteiligung der Migrantenselbstorganisationen an der Gestaltung der Angebote". Die ersten konkreten Schritte bestanden in der Vereinbarung von in dreimonatigem Turnus stattfindenden Integrationskurskonferenzen, der Einrichtung von AGs zur Erstellung einer "Begrüßungsmappe" für Neuzuwanderer, der Installierung eines Links zu des Kursträgern auf der Homepage der Stadt Recklinghausen sowie der Erfassung aller Migrantenselbstorganisationen auf einer Datenbank.



Ein "guter Wille" beflügelt: die Einrichtung eines zentralen "Integrationsbüros"

Ein erster großer greifbarer Erfolg auf dem Weg zu gemeinsamem Handeln war für alle Teilnehmer der Kick-Off-Begegnung der zum Ausdruck gekommene gute Wille der Akteure, der das Fundament zur weiteren Arbeit legte.
Das ebenfalls im Rahmen des KOMM-IN-Förderprogramms im Jahr 2006 durchgeführte Folgeprojekt mit dem Titel "Optimierte Integrationsförderung" weitete dann den Fokus der Aktivitäten aus: Neben der Fortsetzung der bereits in Schwung gekommenen Arbeit an einem optimalen Sprachförderangebot, dazu gehörte auch die Vernetzung der Integrationskurse mit dem sonstigen Sprachkursangebot der Stadt, war es die Einrichtung einer "Organisationseinheit für strategische Planung und Koordination der kommunalen Integrationsarbeit", die der Idee von Integration als Querschnittsaufgabe praktische Schubkraft verleihen sollte. Das "Integrationsbüro" nahm zum 15.02.2006 im Fachbereich "BRÜCKE - Institut für internationale Kontakte und Integration" seinen Dienst auf. Es übernahm die Koordination aller Maßnahmen zur Umsetzung der Sprachkursverordnung nach dem Zuwanderungsgesetz – dazu gehören bspw. die Durchführung der vierteljährlichen Trägerkonferenzen, die Kooperation mit der Migrationserstberatung und die Durchführung von Einstufungstest -, die Koordination und Abstimmung aller Sprachfördermaßnahmen in Recklinghausen und die Geschäftsführung des Integrationsrates. Darüber hinaus ist es verantwortlich für die Kooperation mit den Migrantenselbstorganisationen, die Weiterentwicklung des städtischen Integrationskonzeptes, den Aufbau integrationsrelevanter Datenbanken und Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung der Verwaltung.
Von Anfang an wurden Anstrengungen unternommen, die neue Schaltstelle in Öffentlichkeit, Verwaltung und besonders bei den Migrantenselbstorganisationen bekannt zu machen. Um letztere besser zu erreichen, wurden neben den üblichen Flyern und Plakaten "Mediatoren" eingesetzt, Kontaktpersonen, die über Aufgaben und Zuständigkeiten des Intergationsbüros informierten.



KOMM-IN: Kommunikation zwischen allen Beteiligten…

Zum Abschluss der zweiten Förderrunde im Oktober 2006 war klar, dass das Projekt "Integrationsbüro" auf einem erfolgreichen Weg war: Die als feste Einrichtung etablierten Integrationskurskonferenzen hatten zu einer Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen ARGE und Ausländerbehörde und in der Folge zu einem deutlichen Anstieg von in Sprachkurse vermittelten Personen geführt. Mittlerweile hielt auch die Migrationserstberatung der Caritas Sprechstunden bei den Sprachkursträgern vor, und auch die informellen Kontakte zwischen den Trägern nahmen zu. Dadurch konnten wie geplant alle bestehenden Angebote koordiniert, aber auch neue Bedarfe festgestellt und bedient werden.



…und in vielen Handlungsfeldern

Die Projektverantwortlichen konnten schließlich auch feststellen, dass ihr Büro in Verwaltung, Politik und bei den Migrantenselbstorganisationen als Herz der Integrationsarbeit in der Stadt akzeptiert war. Die stetige Ausweitung des Aufgabenspektrums im Sinne echter Querschnittsarbeit in den folgenden KOMM-IN-Projekten legte davon Zeugnis ab. So wurde im zweiten Halbjahr 2006 die Frage gestellt: "Integration durch Ausbildung und Arbeit – Was kann die Kommune dazu beitragen?" Die Aktivitäten zielten u.a. auf den Aufbau von Kommunikationsstrukturen zwischen Unternehmen der ethnischen Ökonomie und der städtischen Wirtschaftsförderung und die Initiierung eines Ausbildungsverbundsystems.
"Frauen mit Zuwanderungsgeschichte stark machen" war Projekttitel und Zielsetzung im Förderjahr 2007. Dabei ging es um die Herbeiführung gleichberechtigter Teilhabe zugewanderter Frauen und Mädchen in allen gesellschaftlichen Bereichen.
Der partizipative Ansatz wurde im Folgenden noch ausgeweitet: "Die Partizipation von Migranten als Ressource nachhaltiger Stadtentwicklung" – das meinte die Sicherstellung einer Einflussnahme der Zuwandererorganisationen auf gesellschaftliche und kommunalpolitische Entwicklungen, die Förderung gegenseitiger religiöser Toleranz über gesellschaftliche Teilnahme und die Verabschiedung einer Integrationsvereinbarung zwischen den Migrantenselbstorganisationen und der Stadt.
Im Jahre 2009 schließlich wurde an einem mehrsprachigen "Internetportal Integration für Recklinghausen" gearbeitet, das am 3. März unter www.integrationsportal-recklinghausen.de an den Start ging . Es soll über die Präsentation der bestehenden Angebote und die weitere Vernetzung der MSO und sonstigen Akteure den bisher erreichten Standard sichern und weiter ausbauen.
Dies alles zeigt, dass die ethnisch vielgestaltige Stadtgesellschaft in Recklinghausen nicht nur über ein gut organisiertes Sprachkurswesen zu einer "gemeinsamen Sprache" findet.



Ansprechpartnerin

Frau Hegemann-Lescher
Tel.: 02361/502010



KOMM-IN NRW - Innovation in der kommunalen Integrationsarbeit - eine Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen