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KOMM-IN stellt vor: Stadt Voerde


Integration beginnt beim Bürger: Das Projekt "Runder Tisch Integration – Zusammenwachsen in Voerde" ist stets "vor Ort"

 

 

Von anfänglichem "Wunsch nach Vorbeugung"…

Der Rat der Stadt Voerde erteilte bereits im Jahre 2005 den Auftrag, einen "Runden Tisch Integration" einzurichten. Ziel dieser Runde sollte die Erstellung eines Integrationskonzeptes sein unter Mitwirkung aller lokalen Akteure, die sich jeweils auf ihre Weise bei dem Thema engagierten. Dabei entsprang die Entscheidung, die städtischen Integrationsprozesse zu begleiten, zunächst eher dem Wunsch nach Vorbeugung: Probleme im Zusammenleben deutscher und zugewanderter Bürger waren in der 38.600 Einwohner zählenden Gemeinde zwar nicht unbekannt, wurden aber keineswegs als besorgniserregend wahrgenommen.



…zur Einsicht in Notwendigkeiten

Nachdem im Mai 2006 eine Auftaktveranstaltung mit hoher Beteiligung auch ausländischer Mitbürger stattgefunden hatte, kam es zu wichtigen Erkenntnissen: Es zeigte sich unmittelbarer Handlungsbedarf bei den Themenbereichen "Frauen", "Generationen" und "Sprache"; entsprechend zusammengestellte Arbeitskreise begannen Handlungsempfehlungen für das geplante Integrationskonzept zu entwickeln. Auch hier waren zugewanderte Voerder Bürger mit einer Quote von immerhin 33% beteiligt. Allen mitwirkenden Akteuren wurde zudem bewusst, wie wenig Wissen über die Lebenssituation und die Bedürfnisse des anderen vorhanden war.



Stadtteilrunden für eine "Integration von unten"…neu3

Einigkeit bestand bei den Projektinitiatoren darüber, dass der basisdemokratische Charakter der in Schwung kommenden Voerder Integrationsarbeit bei der nun anstehenden Umsetzung des Integrationskonzeptes erhalten und ausgebaut werden sollte. Es ging nun darum, Voerder Bürger weitgehend selbst aktiv werden zu lassen und sich von städtischer Seite in erster Linie koordinierend und strukturbildend einzubringen.
Zur Realisierung einer bürgerbestimmten Integrationsarbeit "vor Ort" wurde der Aufbau von "Stadtteilrunden" in Angriff genommen. Durch diese Gremien, in denen sich Experten und interessierte Bürger ungeachtet ihrer kulturellen und sozialen Herkunft engagieren können, sollte eine "lokale Infrastruktur der Transparenz" entstehen und die Ermittlung konkreter Bedarfe in verschiedenen Handlungsfeldern besonders befördert werden.
Auch eine weiterhin hohe Mitwirkungsquote von Zuwanderern bei der lokalen Integrationsplanung sollte über diese ganz wesentlich an der zwischenmenschlichen Ebene orientierte Organisation für den Einzelnen überschaubarer und zunächst einmal kleinräumiger Arbeitsprozesse gewährleistet werden.



...und mit Anbindung an das städtische Projektmanagementneu4

Eine Rückkopplung der Planungsprozesse auf Stadtteilebene hin zur Stadtverwaltung war zu bewerkstelligen über eine enge Zusammenarbeit der ehrenamtlichen Stadtteilkoordinatoren mit dem Projektmanagement der Stadt Voerde. Darüber hinaus sollten in einem etwa halbjährlichen Turnus in "Stadtkonferenzen" die Ratsmitglieder am Integrationsprozess beteiligt werden.



Die "Feuerprobe" in der Projektarbeitneu5

Die Tragfähigkeit der Konzeption konnte im Rahmen der ersten KOMM-IN-Förderung im Jahre 2007 auf den Prüfstand gestellt werden.
Mit der Erstellung eines Internetauftritts sowie einer Integrationsbroschüre konnten sich die Stadtteilrunden und das Projektmanagement vorstellen, um bei den Bürgerinnen und Bürgern für eine aktive Mitarbeit am Gesamtprojekt "Zusammenwachsen in Voerde" zu werben und ihnen darüber hinaus Adressen wichtiger Institutionen der kommunalen Integrationsarbeit wie Arbeitsagentur, ARGE, Ausländerbehörde, Integrationskursanbieter , Migrantenselbstorganisationen zugänglich zu machen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Stadtteilrunden waren hier aktiv an der Gestaltung beteiligt.
Entscheidende weitere Handlungsfelder der KOMM-IN-Premiere waren daneben die Entwicklung passgenauer lokaler Sprachförderkonzepte sowie die Realisierung des Frauenprojekts "Tandem".
Stadtteilbezogene Sprachförderkonzepte konnten entstehen über lokale Bestandsaufnahmen, die durch die Stadtteilrunden in Kooperation mit den Schulen durchgeführt wurden. Als Grundlage von Handlungsleitlinien diente dabei ein von der Stadtteilrunde Voerde Mitte/Rheindörfer ausgearbeiteter Fragebogen, der an alle Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen in Voerde versandt wurde. Auf einem Vernetzungstreffen der Integrations- und Sprachkursanbieter, der Migrationserstberatung, des Ausländeramts und Promotoren am 25.Oktober 2007 konnte dann schon ein positives Zwischenfazit gezogen werden: "Die Bedeutung der Stadtteilrunden wurde bereits anhand beispielhafter Zusammenarbeit zwischen Stadtteilrunden und Sprachkursträgern in mehreren Fällen deutlich. Die Sprachkursanbieter in Voerde werden auch in Zukunft verstärkt mit den Stadtteilrunden und dem Runden Tisch Mölln zusammenarbeiten. Hierbei werden auch die regionalen Sprachförderkonzepte hilfreich sein, um anhand der Bedarfe auch die entsprechenden Angebote zu entwickeln."
Bis zum Projektausklang Ende Februar 2008 war über den regionalen Einstieg eine weitgehende Vernetzung der Kursträger erreicht, und lokale Sprachförderkonzepte für die Stadtteile standen zur Verfügung.
Insgesamt ebenfalls erfolgreich gestaltete sich die Vernetzung der im Teilprojekt "Tandem" initiierten Frauenarbeit in den Stadtteilen. Dabei geschahen wichtige Planungsschritte und Anregungen für die inhaltliche Arbeit auch durch zwei stadtteilübergreifende Konferenzen. Bei einer Auftaktkonferenz am 29.Oktober 2007 wurden Themenbereiche unter frauenspezifischer Perspektive für die Projektarbeit gesammelt, insbesondere aus den Bereichen Familie, Gesundheit, Beruf, Kultur, Religion und Sport und dem interkulturellen Dialog. Bei einer zweiten Konferenz am 21.Februar 2008 sollte, trotz der zum teil bereits engen Zusammenarbeit der lokalen Projekte mit den Stadtteilrunden, bspw. im Stadtteil Friedrichsfeld/Spellen/Emmelsum, noch einmal die Bedeutung der Runden für das Frauenprojekt und die Integration in Voerde generell ins Bewusstsein gehoben werden. Ingesamt bewies das "Tandem"-Projekt, dass der niedrigschwellige, stadtteilbezogene Ansatz gerade zugewanderten Frauen am ehesten ermöglicht, sich trotz familiärer Verpflichtungen und möglicher kultureller Restriktionen aktiver in die Gestaltung des städtischen Lebens einzubringen. Gleichzeitig bewirkte der auch stadtteilübergreifende Aspekt der Vernetzung der Einzelprojekte eine Erfahrungs- und Horizonterweiterung insbesondere der zu Beginn laut Projektbericht sehr zurückhaltenden und scheuen türkischen Frauen.



Stadtteilrunden: über die Identifikation zur Integrationneu7

In ihrer Bilanzierung der ersten Förderphase durfte sich die städtische Projektbegleitung optimistisch zeigen. Über die Etablierung der Stadtteilrunden, des Frauenprojekts sowie eines unterstützenden Promotorennetzwerks hatte sich eine stabile Basis ehren- und hauptamtlich um Integration in den Stadtteilen und der Kommune bemühter Menschen gebildet. Von diesen ca. 120 Bürgerinnen und Bürgern wies wiederum ein Drittel eine Zuwanderungsgeschichte auf. Die Arbeit der Stadtteilkoordinatoren gestaltete sich zunehmend selbständig bei gleichzeitig guter Kommunikation mit der Projektbegleitung. Ein besonderes Erfolgsmoment der Stadtteilrunden liegt nach Einschätzung der Projektverantwortlichen neben der Bereitstellung eines dauerhaften Instruments der Vernetzung in der gesteigerten Identifikation mit dem gesellschaftlichen Nahbereich. Die Identifikation mit dem Stadtteil verbinde aufnehmende und zugewanderte Bevölkerungsgruppen – mit dem Ergebnis eines neuen "Wir"-Gefühls. In den Folgejahren 2008 und 2009 geförderte Projekte, die ebenfalls von den geschaffenen nahräumlichen Vernetzungsstrukturen profitieren konnten, stellten sich, in Übereinstimmung mit den Planungsvorgaben des Integrationskonzepts, den Herausforderungen interkultureller Jugend- und Seniorenarbeit.



Ansprechpartner

Lothar Mertens

Tel.: 02855/ 80248

E-Mail: lothar.mertens@voerde.de

 

Iris Rutert,
Amt für Schulen, Soziales und Jugend

Tel.: 02855/ 80-234
Telefax: 02855/ 80-555

E-Mail: iris.rutert@voerde.de

 

 


 

KOMM-IN NRW - Innovation in der kommunalen Integrationsarbeit - eine Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen