Bezirksregierung Arnsberg

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Interkulturelle Trainings am 23.10.08 und 20.11.08

Aufeinander zugehen – auch im Gefängnis?


Kompetenzzentrum für Integration (KfI) veranstaltete am 23.10. und 20.11.2008  interkulturelle Trainings für Bedienstete von Justizvollzugsanstalten

Die wachsende Zahl von russischsprachigen Inhaftierten in Justizvollzugsanstalten (JVA) stellt das dort tätige Personal vor besondere Herausforderungen. Um diesen besser begegnen zu können, sind eine Sensibilisierung für diese Zielgruppe sowie die Vermittlung interkultureller Kompetenz wichtige Schritte. Aus diesem Grund lud das Kompetenzzentrum Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus NRW-Justizvollzugsanstalten zu interkulturellen Trainings nach Unna ein.

Dr. Stefan Buchholt bzw. Joachim Finsterbusch vom Kompetenzzentrum  begrüßten die 31 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 9 JVA und gaben ihnen zunächst einen kurzen Überblick über die Aufgaben des KfI.

Im Anschluss daran setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter fachkundiger Leitung von Maria Kestermann von der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA Kreis Unna) in Einzel- und Gruppenübungen aktiv mit der eigenen Person und ihrem Umgang mit dem „Fremden“ auseinander. Sie hinterfragten dabei Vorurteile sowie Klischees über Fremde und überdachten eigene und fremde Orientierungssysteme.

Des Weiteren reflektierten sie, welche Einstellungen und Haltungen gegenüber „Ausländern“ in der Kindheit durch Erziehung und Sozialisation  vermittelt wurden. Dabei gingen sie der Frage nach, welche Normen und Werte im Erwachsenenalter erhalten blieben oder sich durch andere Erfahrungen gewandelt haben. „Diese Selbstreflexion ist Voraussetzung dafür, dass man die Haltung zu Migranten überdenken und ggf. ändern kann und sich im Berufsalltag gegenüber Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund sozial und kommunikativ kompetent verhält“ betonte Maria Kestermann.

In einer weiteren Trainingseinheit setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Orientierungssystemen der Spätaussiedler, denen gerade auch im Arbeitsalltag in Justizvollzugsanstalten begegnet wird,  auseinander. Co-Referent Dimitri German aus Bonn, selbst russlanddeutscher Abstammung, Streetworker, Suchtberater und Musiker stellte Denk- und Verhaltensweisen vor, die für Russlanddeutsche spezifisch sind. Er beantwortete zudem viele Fragen und unterstützte somit authentisch und praxisnah den Lernprozess der JVA-Bediensteten. Durch seine  Liedvorträge trug er zum Nachdenken und insgesamt zu einer offenen Lernatmosphäre bei.

„Ich habe heute viele neue Informationen erhalten und somit eine andere Sichtweise und insgesamt ein  besseres Verständnis für Gefangene mit Zuwanderungsgeschichte bekommen“, erklärte ein Teilnehmer am Ende der Veranstaltung. Insgesamt waren sich die JVA-Bediensteten einig, dass interkulturelles Lernen ein langer Prozess ist. Die Trainings des Kompetenzzentrums bildeten hierfür einen guten Beginn.

Joachim Finsterbusch, 24.11.2008