Workshop des Kompetenzzentrums für Integration in Kamen am 11.11.2009
Die unbekannten Deutschen - Spätaussiedler unter uns
• Warum nimmt Deutschland eigentlich immer noch Spätaussiedler auf?
• Welche Geschichte haben die Deutschen in Russland und welche rechtlichen Voraussetzungen müssen für eine Aufnahme in Deutschland erfüllt sein?
• Wie verläuft die Integration der Russlanddeutschen und ihrer Familienangehörigen?
• Stellen russlanddeutsche Strafgefangene in nordrhein-westfälischen Justizvollzugsanstalten (JVA) immer noch eine Problemgruppe dar?
Diesen Fragen ging das KfI bei einer Veranstaltung in Kamen nach, zu der zahlreiche interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer gekommen waren. Der Teilnehmerkreis setzte sich ganz unterschiedlich zusammen: neben JVA-Bediensteten waren auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Verbänden, der Landsmannschaft sowie aus verschiedenen Vereinen vertreten.
Zunächst gab Dr. Stefan Buchholt vom KfI einen Überblick über die Aufgaben des Kompetenzzentrums. Danach stellte Klaus-Dieter Hübner die historischen Zusammenhänge der Deutschen aus Russland – von der Ausreise aus Deutschland nach Russland Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur (Wieder-)Einreise nach Deutschland – dar. „Die Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion hatten erheblich unter den Folgen von Hitlers Angriffskrieg auf die Sowjetunion zu leiden. Sie wurden deportiert, in Sondersiedlungen untergebracht und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Noch heute wirken die Spätfolgen ihres Schicksals fort“, bilanzierte Hübner. Anhand von fünf beeindruckenden Werken russlanddeutscher Künstler wurde im Anschluss an den Vortrag die künstlerische Aufarbeitung des kollektiven Schicksals der Deutschen aus Russland dargestellt.
Einen kurzen Überblick über die rechtlichen Aufnahmevoraussetzungen gab Joachim Finsterbusch im Anschluss. Dr. Buchholt beleuchtete dann die Phasen und Hintergründe des Ausreise- und Integrationsprozesses von zugewanderten Menschen.
Die Referenten der JVA Hamm, Lydia Adler und Uwe Kuhn, gaben einen Überblick über die dortige Arbeit und ihre Erfahrungen mit Spätaussiedlern. Frau Adler berichtete über das von ihr durchgeführte Projekt „Integration der Russlanddeutschen in den Vollzug“, durch das beachtliche Erfolge im Aufbrechen der von russischsprachigen Gefangenen gelebten Subkultur erzielt und einzelne Gefangene aus diesem System herausgeholt werden konnten . Uwe Kuhn stellte die Initiativen und Erfahrungen der Drogenberatung in der JVA Hamm vor.
Danach diskutierten die Teilnehmer – vor dem Hintergrund unterschiedlicher Erfahrungshorizonte - zum Teil recht kontrovers über die Frage, ob die Integration russlanddeutscher Spätaussiedler und ihrer Familienangehörigen in die deutsche Gesellschaft weitestgehend als gelungen oder eher misslungen anzusehen ist. Es wurde Konsens dahingehend erzielt, dass u. a. die vielfältigen Anstrengungen des Staates und gesellschaftlicher Organisationen, aber vor allem auch der zuwandernden Menschen selbst dazu geführt haben, dass sich die überwiegende Mehrheit der Spätaussiedler inzwischen gut in die deutsche Gesellschaft eingelebt haben. Nur bei einer kleinen Minderheit ist abweichendes Verhalten festzustellen, was aber aufgrund entsprechender Berichterstattung in der Presse von der Öffentlichkeit in besonderer Weise wahrgenommen wird.
Insgesamt haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das im Workshop vermittelte Wissen als sehr nützlich für das eigene Verständnis der Spätaussiedleraufnahme und des Integrationsprozesses sowie für die tägliche Arbeit mit der Zielgruppe angesehen und sich somit für eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe ausgesprochen.
