Bezirksregierung Arnsberg

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Workshop des Kompetenzzentrums für Integration in Hamm am 28.4.2010


Justizvollzugsbedienstete und Mitarbeiter von Verbänden informierten sich über die Aufnahme und Integration von Spätaussiedlern

Die Integration von Spätaussiedlern lief jahrzehntelang problemlos. Trotz dieser durchgängig positiven Bilanz lässt sich nicht verleugnen, dass es auch Spätaussiedler gibt, die inhaftiert sind. Als diese in den JVA des Landes zum ersten Mal als Gruppe zur Kenntnis genommen wurden, wurde dem dort eingesetzten Personal bewusst, dass ihm wenig über deren geschichtlichen, kulturellen und biographischen Hintergründe bekannt war.

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis führt das Kompetenzzentrum für Integration (KfI) bereits seit mehreren Jahren Fortbildungen zum Thema "Die unbekannten Deutschen – Spätaussiedler unter uns" durch, um Hintergrundinformationen über die Historie, Aufnahme und Integration der Deutschen aus Russland zu vermitteln. Veranstaltungsort war in diesem Jahr zum ersten Mal die Justizvollzugsanstalt (JVA) Hamm, die bereits seit längerem Kooperationspartnerin bei den Workshops ist.


Dr. Stefan Buchholt vom KfI und der Leiter der JVA Hamm, Volker Wingerter, begrüßten die 30 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die aus verschiedenen JVA des Landes Nordrhein-Westfalen, aber auch aus Verbänden, Organisationen und der Landsmannschaft gekommen waren. Dabei gab Dr. Buchholt zunächst einen Überblick über die vielfältigen Aufgaben des KfI.

Im Anschluss daran referierte Joachim Finsterbusch über die historischen Hintergründe und die schicksalhafte Geschichte der Deutschen in der Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs und in der Zeit danach. "Spätaussiedler aus der früheren Sowjetunion werden in Deutschland auch heute noch aufgenommen, weil die Spätfolgen des Krieges noch immer in den Familien nachwirken. Allerdings wurden die Aufnahmevoraussetzungen in den letzten Jahren deutlich verschärft," erklärte Joachim Finsterbusch und gab danach einen Überblick über die rechtlichen Bedingungen nach dem Bundesvertriebenengesetz (BVFG).

Im Hinblick auf den Integrationsprozess von Spätaussiedlern zeigte Dr. Buchholt etliche Aspekte der Integration auf. "Aufgrund der vielfältigen Hilfestellungen in den Kommunen leben sich die Neuzuwanderer gut in den bundesdeutschen Alltag ein. Nur eine kleine Minderheit hat diesbezüglich Probleme und wird unter Umständen straffällig, wobei der Anteil spätausgesiedelter Straftäter nicht höher ist als der Einheimischer oder von Menschen mit anderer Zuwanderungsgeschichte", bilanzierte Dr. Buchholt.

Nach der Mittagspause hatten die Workshopteilnehmerinnen und –teilnehmer Gelegenheit, sich im Rahmen einer Führung durch die JVA einen Einblick in den Strafvollzug zu verschaffen. Im Anschluss daran berichtete der Suchtberater der JVA, Uwe Kuhn, über die dortige Arbeit und die Erfahrungen mit Spätaussiedlern. Dabei wurde auch die von den russischsprachigen Inhaftierten gelebte Subkultur in den Haftanstalten beleuchtet. Die Vorstellung der Initiativen und Erfahrungen der Drogenberatung in der JVA Hamm rundeten den Vortrag ab.

Im Rahmen der abschließenden Diskussion berichteten Teilnehmer aus anderen JVA über ihre Erfahrung mit Spätaussiedlern. Dabei wurde deutlich, dass vor allem im Jugendstrafvollzug Spätaussiedler nur noch vereinzelt anzutreffen sind. Von den Bediensteten wurde ausgesagt, dass sie inzwischen kaum noch Probleme sehen. Insgesamt wurde in der Diskussion deutlich, dass Spätaussiedler aus den Staaten der ehemaligen UdSSR in Deutschland gut angekommen sind und in vielen Bereichen als Bereicherung des alltäglichen Lebens angesehen werden. Die Veranstaltung hat viele Vorurteile gegenüber Spätaussiedlern ausgeräumt und deutlich gemacht, dass die Integration und das Einleben in die Gesellschaft eine Leistung ist, die nicht unterschätzt werden darf.

Insgesamt wurden die im Workshop gewonnenen Erkenntnisse von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, insbesondere auch von den anwesenden Anwärtern für den Justizvollzugsdienst, als wichtig und nützlich für ihre tägliche Arbeit angesehen